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Grevenbroich: Marktleute wollen nicht zum Zehnthof

Grevenbroich : Marktleute wollen nicht zum Zehnthof

Bei Stadtfesten und in der Adventszeit soll der Grevenbroicher Wochenmarkt hinter die City-Kirche umgesiedelt werden. Das fordert die SPD, die damit den Einzelhandel stärken will. Die Marktleute lehnen diesen Plan rigoros ab.

Als Chefin der Wirtschaftsförderung soll Bürgermeisterin Ursula Kwasny die Veranstaltungen des Werberings mehr unterstützen. Dazu forderte sie gestern die SPD auf. Denn: "Frühlings- und Herbstfeste, der Adventszauber und der Weihnachtsmarkt ziehen viele tausend Besucher in die City. Das stärkt die mehr als 100 Einzelhandelsfirmen, die für Arbeitsplätze und Gewerbesteuer sorgen", sagt Fraktionschef Horst Gerbrand.

Sein Appell: Die Stadt müsse diese Veranstaltungen nicht nur zügiger als bisher genehmigen, sondern auf dem Markt auch mehr Platz für Aussteller schaffen. "Es ist den Veranstaltern, die das gesamte wirtschaftliche Risiko tragen, nicht zuzumuten, auf diese Stellflächen an den Samstagen zu verzichten", so Gerbrand. Dieser Vorschlag sorgt bereits jetzt für Zündstoff.

Denn mehr Platz für Aussteller bedeutet für den Wochenmarkt eines: Er müsste sein gewohntes Terrain verlassen und an elf Tagen im Jahr auf die Straße "Am Zehnthof" umsiedeln. Das sei zumutbar, meint Gerbrand: "Die Kunden werden ohne jedes Problem bereit sein, die wenigen Meter zum Ausweichstandort zurückzulegen." Die Grevenbroicher Marktleute sehen das allerdings etwas anders.

"Hinter der Kirche sind wir vom Kundenstrom abgeschnitten, das wird zu Umsatzeinbußen führen", befürchtet der Obst- und Gemüsehändler Peter Küx. Sein Vorschlag: Grevenbroich soll sich ein Beispiel an der Nachbarstadt Dormagen nehmen. "Dort findet der Wochenmarkt seit Jahrzehnten mitten in der City statt. Der Einzelhandel unterstützt das, weil er darin eine Bereicherung sieht." Ähnlich urteilt der Käsehändler Albrecht Schulz, der ebenfalls eine Verlagerung zum Zehnthof ablehnt: "In der Vergangenheit mussten wir schon einmal dorthin umsiedeln – und haben nur die Hälfte an Umsatz gemacht", beklagt er. Statt über eine Verlagerung nachzudenken, so regt Schulz an, solle die Stadt mehr für die Attraktivität auf dem Wochenmarkt sorgen: "Wir würden uns einen Imbissstand wünschen. So etwas zieht Leute an."

Der Werbering hatte in der Vergangenheit bereits mehrfach angeregt, den Wochenmarkt bei Großveranstaltungen zum Zehnthof zu verlegen. Zuletzt scheiterten die Händler im April 2010 an Bürgermeisterin Kwasny, die solche Pläne ablehnte. Ihr Argument: "Der Markt erfüllt eine wichtige Versorgungsaufgabe für unsere Bürger und zieht das ganze Jahr über viele Besucher in die Fußgängerzone." Die Folge: An den Cityfest-Samstagen blieb der Markt an der gewohnten Stelle, in der Weihnachtszeit siedelte er in die Breite Straße um. Dort beklagten Einzelhändler, dass die Marktstände ihre Schaufenster verdecken.

Mit ihrem Antrag für die morgige Ratssitzung rollt die SPD die Diskussion von neuem auf. Horst Gerbrand hofft auf "das unternehmerische Verständnis der Marktleute für die Handelsunternehmen, die ihre Betriebe nicht an den Haken nehmen können, sondern an ihre Standorte gebunden sind".

(NGZ)