Grevenbroich: Markt muss zum Zehnthof umsiedeln

Grevenbroich : Markt muss zum Zehnthof umsiedeln

Wenn der Werbering seine City-Feste feiert, müssen die Marktleute auf den Zehnthof umsiedeln. Das hat jetzt der Stadtrat mit großer Mehrheit entschieden. Zum Ärger der Stadtverwaltung. Sie hatte eine andere Lösung favorisiert.

Die Entscheidung stand fest, bevor die Ratssitzung begann. Denn Martina Suermann hatte vorab telefonisch bei den Fraktionen um Unterstützung für den Antrag der SPD geworben. Und das erfolgreich: Mit großer Mehrheit plädierten die Politiker dafür, den Wochenmarkt bei den drei City-Festen des Werberings auf den Zehnthof hinter der Kirche zu verlegen. Nicht einverstanden mit dieser Lösung zeigte sich die Ordnungsdezernentin Barbara Kamp. Sie hatte zuvor eindringlich darum gebeten, die Entscheidung zu vertagen.

Der Werbering soll künftig auch den Marktplatz in seine Großveranstaltungen miteinbeziehen. Bisher war das nur bedingt möglich, weil der Wochenmarkt samstags dieses Areal belegt. Werden die Stände auf den Zehnthof umgesiedelt, würde das den Festen der Einzelhändler zugute kommen, meinte Martina Suermann. Da der Rat seit Jahren ergebnislos über dieses Thema diskutiere, drängte die SPD-Frau auf eine schnelle, endgültige Entscheidung. Auch, weil das nächste Fest bereits am Wochenende des 27. und 28. April gefeiert werde.

Unterstützt wurde dieser Antrag von der CDU. "Es kann nicht noch mehr Zeit verloren werden", appellierte Fraktionsvorsitzender Norbert Gand: "Sonst laufen wir Gefahr, dass die City-Feste ihre positiven Impulse verlieren." Sie sollten weiterhin ein Publikumsmagnet für die gesamte Innenstadt sein.

Überrascht von dieser Diskussions-Entwicklung zeigte sich Barbara Kamp, die von dem SPD-Antrag erst einen Tag vor der Sitzung erfahren hatte. Sie bat den Rat darum, mit seiner Entscheidung noch abzuwarten. Denn die Mitarbeiter des Ordnungsamtes müssten zunächst prüfen, ob eine Verlegung des Wochenmarkts ohne weiteres möglich sei — vor allem unter dem Aspekt der neuen, verschärften Sicherheitsrichtlinien.

So müssten nicht nur Gespräche mit der Feuerwehr und der Verkehrslenkung geführt werden, sondern letztlich auch mit den Marktleuten, die sich in der vergangenen Woche gegenüber der NGZ vehement gegen ihre Umsiedlung ausgesprochen hatten. Und: Auch wer die Kosten für die nicht vorhandene Stromversorgung am Zehnthof trage, sei noch offen.

Dirk Gawlinski (Grüne) regte vor diesem Hintergrund an, den Wochenmarkt im April zunächst einmal testweise zu verlegen, um anschließend Gespräche mit den Marktleuten zu führen. "Diese vermittelnde Lösung hat Charme", erklärte Rolf Göckmann (Aktive Bürger): "So können wir Erfahrungen sammeln." Der größte Teil des Rates war anderer Meinung: Er beschloss die generelle Verlegung des Wochenmarkts zu den drei Fest-Terminen. Übrigens unter heftigem Protest von Manfred Hermanns (FDP), der den "überfallartigen Antrag" der SPD kritisierte und meinte: "Ich frage mich, wer die Bürger in Grevenbroich vor dieser Politik schützt."

Noch keine Entscheidung wurde darüber getroffen, ob der Wochenmarkt auch während der Weihnachtsmarkt-Zeit verlegt werden soll. Dort sieht der Rat noch keine Eile. Darüber soll im Verlauf der nächsten Monate beraten werden.

(NGZ)
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