Grevenbroich: Märchenhafte Nadelkünstlerin

Grevenbroich: Märchenhafte Nadelkünstlerin

Stefanie Bidlingmaier macht ihr Hobby (fast) zum Beruf und arbeitet als "Fadenspielerin".

Es war einmal eine junge Fränkin. Die hatte für ihr Leben gern Nadel und Faden in den Händen. Wie das Material auch war, aus allem fertigte sie zauberhafte Accessoires vom Turnbeutel bis zum Sorgenfresser. So ungefähr hätten die Gebrüder Grimm das Intro zu Stefanie Bidlingmaiers Geschichte notiert. Was märchenhaft klingt, ist für die 29-jährige Nürnbergerin, die der Liebe wegen vor zehn Jahren nach Grevenbroich zog, wahr geworden: Die Rechtsanwaltfachangestellte hat sich mit ihrem Können als Kreative selbstständig gemacht - und ist nun die "Fadenspielerin".

"Den Namen habe ich mir zusammen mit meinem Mann Rolf ausgedacht", erinnert sie sich. Weil sie ein richtiger Märchen-Fan ist, fiel die Wahl auf die fantasievolle Variante. Genäht hat Stefanie Bidlingmaier "schon immer", doch irgendwann hat sie das Hobby aus den Augen verloren. Vor drei Jahren bekam sie von ihrer Schwiegermutter eine Nähmaschine zu Weihnachten.

Der Name "Fadenspielerin" hat auch was mit Märchen zu tun. Foto: Valeska von Dolega

"Erstaunlich, wie leicht mir das von der Hand ging", sagt sie. Und als Gegenstück zu ihrer ernsthaften Tätigkeit rund um Zwangsvollstreckungen in einer Kölner Kanzlei begann sie, wieder öfter zu nähen. "Das Schwierigste war anfangs das logische Denken", beschreibt sie die Fähigkeit, schon zu Beginn der Arbeit versteckte Nähte oder Applikationen beachten zu müssen.

Junge Frauen sind die Zielgruppe für ihre Kreationen, sie hat Stefanie Bidlingmaier im Kopf, wenn sie Kissen und Co. fertigt. "Ich bin ein Deko-Freund und mache gern was Praktisches" beschreibt sie dabei ein Zwei-in-eins-Prinzip: Auf einer Seite schaut ein Kissen in Wildleder toll aus, die andere Seite besteht aus Schaffell zum Kuscheln. Arbeitet sie Turnbeutel, achtet sie auf Details: Die Kordel sind nicht dünn wie Schnürsenkel und schneiden nicht ins Fleisch. Zu beziehen sind ihre Sachen bislang über ihre Homepage. Im vergangenen Jahr war sie erstmal mit auf dem Grevenbroicher Weihnachtsmarkt.

Familienerbe: Das Skizzenbuch aus den 50er Jahren stammt von der Oma. Foto: Valeska von Dolega

Aus dem Hobby wurde rasch eine seriöse Angelegenheit. Vom Schnittmuster bis zum Verkauf hat die fleißige Fränkin alles in der Hand. In Absprache mit ihrem Chef ist sie 25 Stunden in der Kanzlei, den Rest der Zeit sitzt sie an einer ihrer Nähmaschinen in ihrem Atelier. "Mein Ziel ist, mich komplett aufs Nähen zu fokussieren." Unterstützt von ihrem Mann, der für Online-Auftritt und alle Posts in sozialen Medien verantwortlich ist, könnte sie sich dabei vorstellen, in Richtung Familienunternehmen zu expandieren.

"Das Leben in Grevenbroich ist wunderschön, wenngleich ich die Winter zu Hause vermisse", sagt sie über ihre bevorzugte Jahreszeit. Noch mehr aber als knackige Kälte und weiße Schneelandschaften vermisst sie ihre Mutter, Schwestern sowie Nichte und Neffen. Ein bisschen Familie hat sie auch in Form eines Skizzenbuchs für Mode aus den 50er Jahren um sich. "Es gehörte meiner Omi, meine Mutter schenkte es mir, als ich als Fadenspielerin begann". Bislang ist die Umsetzung der im Buch gezeigten Modelle für sie "weit weg". Aber eines Tages, wer weiß, geht sie den nächsten Schritt im Märchen von der Selbstständigkeit als Fadenspielerin und Modemacherin.

Teile der aktuellen Kollektion mit Kissen und Taschen. Foto: von
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