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Grevenbroich: Letzter Tag bei Schlecker

Grevenbroich : Letzter Tag bei Schlecker

Abschiedsstimmung im Industriegebiet Ost: Die 114 Mitarbeiter des Schlecker Logistikcenters hatten gestern ihren letzten Arbeitstag. Viele von ihnen blicken in eine ungewisse Zukunft – und sind auf Jobsuche.

Abschiedsstimmung im Industriegebiet Ost: Die 114 Mitarbeiter des Schlecker Logistikcenters hatten gestern ihren letzten Arbeitstag. Viele von ihnen blicken in eine ungewisse Zukunft — und sind auf Jobsuche.

Ein Essen zum Abschied: Sergei Rybalow (oben links) und Limberis Kamtsiklis traffen sich gestern ein letztes Mal mit ihren Schlecker-Kollegen. Foto: M. Reuter

Die 114 Mitarbeiter des Schlecker-Logistikcenters an der Lise-Meitner-Straße hatten gestern ihren letzten Arbeitstag. Seit heute ist das große Verteillager der insolventen Drogeriemarkt-Kette im Industriegebiet Ost geschlossen. Dort nutzten die Mitarbeiter den gestrigen Tag zum Abschiednehmen — beim gemeinsamen Grillen. Für viele beginnt nun eine harte Zeit. Weniger als die Hälfte der Mitarbeiter des Logistikcenters hat bisher einen neuen Job gefunden. Das erklärten die Schlecker-Kollegen gestern zum Abschied.

Auch Sergei Rybalow (44) und Limberis Kamtsiklis (39) zählen zu den Betroffenen. Rybalow arbeitete 20 Jahre im Logistikcenter, Kamtsiklis 17. "Wir waren hier gerne beschäftigt", betonen beide. Doch jetzt blicken Rybalow und Kamtsiklis in eine ungewisse Zukunft. "Es ist nicht leicht, eine neue Stelle zu finden", sagt Rybalow. Beide haben sich im Schlecker-Logistikcenter wohlgefühlt. "Wir hatten feste Verträge, die Bezahlung war in Ordnung. Das hat uns Sicherheit gegeben", erklärt Kamtsiklis. "Zumindest bis die Bombe geplatzt ist."

"Die Bombe" — so nennt Kamtsiklis die Nachricht vom Insolvenzantrag des Unternehmens. Dieser wurde am 23. Januar gestellt. Im März erfuhren die Mitarbeiter in Grevenbroich, dass das Logistikcenter in der Schlossstadt geschlossen wird. Für sie war klar: Dann stehen sie ohne Job da. Ihr wichtigster Ansprechpartner ist die für Grevenbroich zuständige Arbeitsagentur in Mönchengladbach.

Dort haben sich seit Bekanntwerden des Insolvenzantrags der Drogeriekette rund 200 Schlecker-Mitarbeiter aus dem Rhein-Kreis Neuss als arbeitslos oder arbeitssuchend gemeldet. Dabei handelt es sich neben den Mitarbeitern des Logistikcenters um die im Einzelhandel Beschäftigten. Karin Schliffke, Sprecherin der Arbeitsagentur, betont die ersten Erfolge bei der Jobvermittlung. "Ein Drittel der als arbeitslos gemeldeten Schlecker-Mitarbeiter konnte bereits in einen neuen Job vermittelt werden, ein weiteres Drittel befindet sich in Qualifizierungsmaßnahmen", sagt sie. Die Arbeitsagentur hatte sich bereits im März zuversichtlich gezeigt, vor allem den im Logistikbereich Beschäftigten neue Jobs vermitteln zu können. Allerdings sei dabei Geduld gefragt.

Das Schlecker-Logistikcenter in Grevenbroich wurde vor 25 Jahren eröffnet. Täglich wurden von dort rund 500 Filialen der Drogeriekette in Nordrhein-Westfalen beliefert. In Spitzenzeiten waren am Standort im Industriegebiet Ost mehr als 200 Mitarbeiter beschäftigt. Das Verteillager war eines von bundesweit acht Distributionszentren.

Seit heute herrscht in dem großen Gebäude an der Lise-Meitner-Straße Leere. Die letzten Lkw sind dort Anfang Juni zu den Filialen aufgebrochen. Für die 114 Mitarbeiter beginnt jetzt das Leben nach Schlecker — mit der Suche nach einem neuen Arbeitgeber. Limberis Kamtsiklis versucht, Optimismus zu verbreiten. "Das Leben wird weitergehen", sagt er.

(NGZ)