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Grevenbroich: Letzte Ruhe im Bodensee

Grevenbroich : Letzte Ruhe im Bodensee

Der Grevenbroicher Dietmar Kapelle hat sich auf Naturbeerdigungen spezialisiert. Seine Bestattungen im Bodensee sorgen aktuell für Reaktionen in der Schweiz. Denn sie sind verboten, sagt das Umweltamt des Kantons Thurgau.

Die Natur als letzte Ruhestätte – diese Möglichkeit bietet Dietmar Kapelle bereits seit zehn Jahren an. Der Unternehmer aus Grevenbroich hat unter anderem in Eitorf (Rhein-Sieg-Kreis) einen Wald erworben, in dem Hinterbliebene die Asche ihrer Verstorbenen unter Bäumen beerdigen können, ohne Urne. Nach eigenen Aussagen wickelt der 68-Jährige etwa 135 Bestattungen monatlich über seine Firma "Oase der Ewigkeit" ab. Ein Zweig seiner Tätigkeit sind Seebestattungen – und die sorgen aktuell für Diskussionen in der Schweiz.

Auf Nord- und Ostsee sind Bestattungen erlaubt, auf deutschen Binnengewässern aber verboten. Dietmar Kapelle bietet seinen Kunden jedoch an, die Asche ihrer Angehörigen den Wellen des Bodensees zu überlassen – allerdings auf der eidgenössischen Seite, denn die Schweizer seien liberaler, sie hätten keinen Friedhofszwang wie die Deutschen. Groß nachgefragt werde diese Form der Beerdigung jedoch nicht: "Es sind vier bis fünf im Jahr", meint der gebürtige Berliner.

So liberal, wie Kapelle zu glauben scheint, sind die Schweizer offenbar nicht. Denn nach einem Bericht von "Welt Online" über den Grevenbroicher Unternehmer, schlägt das Thurgauer Amt für Umwelt auf einmal Alarm. "Gewerbliche Bestattungen im Bodensee sind generell verboten", bekräftigte Umweltdirektor Jakob Stark gestern auf Anfrage der Schweizer Nachrichtenagentur SDA. Dieses Verbot habe man den Bestattungsinstituten in Deutschland wiederholt mitgeteilt, doch diese würden immer noch für Seebestattungen vom Schweizer Ufer aus werben. Klarheit soll eine Gesetzesrevision bringen, die bald im Thurgauer Kantonsparlament diskutiert werde.

Dietmar Kapelle bleibt jedoch gelassen: "Zu den Bestattungen im Bodensee gibt es unterschiedliche Aussagen, die Kantone sind sich in dieser Frage nicht einig", meint der Grevenbroicher, der ein Haus in der Schweiz besitzt: "St. Gallen etwa erlaubt sie innerhalb der Drei-Meilen-Zone." Und daran werde er sich halten, kündigt der Grevenbroicher an. Kapelle will weiterhin für diese Art der Bestattung werben, die nach seiner Meinung ohnehin keinen gewerblichen, sondern eher einen privaten Charakter hätten: "Die Angehörigen bestatten ihre Verstorbenen nämlich selbst in einer Papier-urne, die sich schon nach wenigen Minuten im Wasser auflöst."

Wie der Unternehmer berichtet, sei vor noch nicht allzu langer Zeit ein Mitarbeiter der Wasserschutzpolizei im Bodensee bestattet worden. "Das Schiff, das wir dafür einsetzen, wurde von einem Zoll- und zwei Polizeibooten eskortiert, als letztes Geleit für den Verstorbenen", sagt Kapelle – und er ist sich sicher: "Die Polizei hätte das nicht getan, wenn es verboten wäre."

(NGZ)