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Grevenbroich: Letzte Kneipe in Hülchrath ist gerettet

Grevenbroich : Letzte Kneipe in Hülchrath ist gerettet

Die Vereine im Mittelalterdorf haben ihren liebgewonnenen Stammtreff wieder: Für die Gaststätte "Zur Post" gibt es neue Pächter. Morgen Abend öffnet die Kneipe wieder ihre Pforten – und bietet auch Brauhausküche an.

Die Vereine im Mittelalterdorf haben ihren liebgewonnenen Stammtreff wieder: Für die Gaststätte "Zur Post" gibt es neue Pächter. Morgen Abend öffnet die Kneipe wieder ihre Pforten — und bietet auch Brauhausküche an.

Die Erleichterung ist Werner Gram anzuhören. "Für Hülchrath ist das wie ein vorgezogenes Weihnachtsgeschenk", sagt der zweite Brudermeister der Hülchrather St.-Sebastianus-Schützenbruderschaft. Denn für die letzte Kneipe im Ort, die im Spätsommer ihre Pforten schloss, sind neue Pächter gefunden worden. Detlef Klünter (51) und Bettina Klevers (50) heißen sie, und putzen die Gaststätte "Zur Post" gerade fein heraus. Schon morgen, 23. November, soll die Kneipe wieder ihre Pforten öffnen. Los geht's um 18.30 Uhr.

Viele Hülchrather haben die neuen Pächter in den vergangenen Tagen bereits kennengelernt. Denn während Klünter und Klevers drinnen die Wände neu strichen — statt lila-organge sind sie jetzt in einem hellen Gelbton gehalten — und sich an die Grundreinigung machten, klopfte es immer wieder ans Gaststättenfenster. "Viele waren neugierig und wollten wissen, was hier geschieht und wann das Lokal wieder öffnet", sagt Detlef Klünter.

Einer, der die neuen Gaststättenbetreiber besuchte, war Armin Day. Der Vorsitzende der Dorfgemeinschaft Hülchrath schaute mit seiner Frau Inge bei den neuen Pächtern vorbei. "Für die Vereine im Ort ist die Neueröffnung der Kneipe eine richtig gute Nachricht", sagt Day. Für viele sei die Gaststätte nicht nur ein Treffpunkt, sondern auch ein Stück Heimat. Auch deshalb war es einigen schwer gefallen, sich nach neuen Treffpunkten umzusehen — wie zum Beispiel manchem Kegelverein. Die Suche nach einer neuen Bahn ist jetzt beendet. "Die ersten Kegeltermine bei uns sind bereits gebucht", sagt Bettina Klevers.

Sie und ihr Partner haben den Ort schon ins Herz geschlossen. Klevers, eine gebürtige Berlinerin, die lange Jahre in Bayern lebte, und der aus Erftstadt stammende Detlef Klünter haben daher die Wohnung über der Gaststätte gleich mitgemietet. "Sobald wir das Lokal eröffnet haben und alles läuft, steht der Umzug dorthin an", sagt Klünter.

Das neue Pächter-Duo hat bereits Erfahrung in der Gastronomie. Klünter ist gelernter Koch und war bereits als Geschäftsführer eines Restaurants in Erftstadt tätig. Seine Lebensgefährtin hat in Bayern in einem Gastgeschäft gearbeitet. Seit gut einem halben Jahr hatten sich die beiden intensiv nach einem Lokal umgeschaut, das sie zusammen betreiben können. Vor anderthalb Monaten sahen sie sich die Kneipe in Hülchrath erstmals an. Rasch stand fest: Das wäre ein idealer Standort. "Wir haben alles vorgefunden, was wir gesucht haben: eine Gaststätte mit Saal, Biergarten und Kegelbahn", sagt Klevers. "Außerdem freuen wir uns schon auf das rege Vereinsleben im Ort. Welche Bedeutung es für die Bürger hier hat, haben wir in den vergangenen Tagen bereits erfahren."

Das Lokal wollen sie zum Gasthaus mit Brauhausküche beleben. "Dazu soll es in jeder Woche einen Thementag mit bestimmten Spezialitäten in Buffetform geben", betont Detlef Klünter. Wie es schmeckt, können die Hülchrather bereits morgen bei der Eröffnung erfahren. Gut möglich, dass mancher Verein dann bereits die ersten festen Termine ausmachen möchte.

Werner Gram und Armin Day sind froh, dass es in der Gaststätte "Zur Post" weitergeht. Im Gegensatz zu vielen Orten bleibt die Kneipe erhalten. Damit trotzt das Mittelalterdorf einem Trend: Zwischen 2002 und 2010 haben etwa ein Drittel aller Schankwirtschaften in NRW dichtgemacht. Dieser Kelch ist an Hülchrath vorbeigegangen.

(NGZ/rl)