Grevenbroich: Leser diskutieren Bad-Pläne

Grevenbroich : Leser diskutieren Bad-Pläne

Die Diskussion ums Schlossbad erhitzt die Gemüter. Am "Heißen Draht" der NGZ prallten Donnerstag die Standpunkte aufeinander. Während die Nutzer des Bades einen Neubau befürworten, mahnen andere zur Sparsamkeit.

In einem Punkt sind sich die NGZ-Leser einig: Der Ist-Zustand des Schlossbades ist nicht länger hinnehmbar. "Es stinkt, die Umkleidekabinen sind kaputt, es zieht, überall ist es dreckig", kritisiert Kim Herrmann stellvertretend für alle Leser, die sich gestern telefonisch oder per E-Mail in der Redaktion meldeten. Was die Zukunft des Bades betrifft, driften die Meinungen aber stark auseinander.

Für Ulf Sommer beispielsweise ist das Schwimmbad-Aus indiskutabel: "Denn ein Bad ist ein wichtigeres Allgemeingut als ein Theater und eine Oper. Eben weil Schwimmbäder von allen Altersklassen, allen Bildungsschichten und allen Einkommensgruppen genutzt werden." Von einem Neubau rät Sommer aber ab — "die Stadt sollte auf den Erhalt und die Sanierung bereits bestehender Schwimmbäder setzen." Dafür plädiert auch Inge Wolf. "Schwimmen ist kein Luxus. Also brauchen wir ein Schwimm-, kein Luxusbad. Mit der Renovierung des alten Schlossbades wäre allen gedient."

"Falsch", sagt Hans Hammelstein, ehemals Ratsherr für die CDU. "Entweder man baut ein richtig gutes Bad, oder man lässt die Finger davon." Eine Miniaturausgabe des bestehenden Schlossbades sei keine Option. "Warum nicht den TuS verlagern und auf dem Grundstück des Stadions ein großes Bad bauen?", fragt Hammelstein. Ein neues Bad begreift Regina Pohl-Trippelsdorf als Chance für die gesamte Stadt: "Man sollte das neue Schlossbad in erster Linie für Familien und Kinder bauen. Es so attraktiv machen, dass die Leute nach Grevenbroich kommen. Um dann vielleicht auch mal einen Abstecher in die City zu machen."

Harald Meisner von der Tauchsportgemeinschaft Grevenbroich sorgt sich, dass die Diskussion die Befindlichkeiten der Vereine und Schulen ausklammert. "Für viele Vereine würde der Verlust des Schwimmbades das Aus bedeuten", sagt Meisner.

Angesichts des Grevenbroicher Schuldenproblems kann Wolfgang Pleschka solche Forderungen nicht nachvollziehen: "Ein Neubau im zweistelligen Millionenbereich ist nicht zu verantworten. Die Schulden müssen nicht die Politiker, sondern die Bürger bezahlen." Pleschka regt eine Bürgerbefragung an.

Carola Peters sieht es ähnlich: "Wer kein Geld hat, kann nichts ausgeben. Grevenbroich sollte eine Kooperation mit dem Schwimmbad in Bedburg eingehen." Diese Zusammenarbeit mit der Nachbarkommune würde auch Dorothee von Alvensleben befürworten: "Denn es ist unverantwortlich, wie in Grevenbroich mit der Zukunft der Stadt umgegangen wird." Noch drastischer formuliert es Waldemar Donnig: "Grevenbroich hatte alles: eine Veranstaltungshalle, wunderbare Schwimmbäder. Und die Stadt hat alles herunter gewirtschaftet. Ein neues Schwimmbad hat diese Stadt nicht verdient."

(NGZ)