Grevenbroich: Leichen-Tourismus: Rat war nicht informiert

Grevenbroich: Leichen-Tourismus: Rat war nicht informiert

Um Geld zu sparen, lässt die Stadt mittellose und alleinstehende Verstorbene im Taunus beerdigen – weil es dort billiger ist. Mit dieser Praxis sorgt Grevenbroich bundesweit für Schlagzeilen. Erstaunlich: Offensichtlich hatte der Stadtrat von diesem Verfahren bislang nichts gewusst.

"Ich habe erst aus der NGZ davon erfahren", sagt Horst Gerbrand. Wäre das Thema im Rat angesprochen worden, glaubt der SPD-Chef kaum, dass er einen solchen Sparkurs der Stadt mitgetragen hätte: "Ich halte ihn für problematisch, ja ein wenig pietätlos. Es gibt mit Sicherheit kreativere Sparmaßnahmen", meint er. Die SPD will die Thematik nun intern erörtern und beratschlagen, wie sie auf den "Leichen-Tourismus" reagieren wird.

Ähnlich wird die CDU-Fraktion verfahren, signalisiert Vize-Vorsitzender Edgar Uebber: "Da diese Beerdigungspraxis wohl verwaltungsintern entschieden wurde, konnte der Rat nichts davon wissen", meint er. Die Union will sich daher in einer ihrer nächsten Sitzungen mit dem Thema auseinandersetzen. Auch Martina Flick (UWG) wundert sich: "Wer hat dieses Vorgehen der Verwaltung eigentlich entschieden? Und warum erfuhr der Rat nichts davon?", fragt sie.

Laut Stadtsprecher Andreas Sterken hätten die Politiker gar nicht über das seit 2007 praktizierte Verfahren informiert werden müssen: "Weil es sich hierbei um eine ganz normale Angelegenheit der Verwaltung handelt", argumentiert er. Die Idee sei seinerzeit nach einem Treffen regionaler Ordnungsamtsleiter aufgegriffen worden: "Dort ist über das Thema diskutiert worden."

Die FDP findet das gar nicht so schlimm, sagt Vorsitzender Manfred Hermanns: "Die Stadt muss sich nach ihrem Haushalt richten. Wenn mittellose Menschen keine Angehörigen haben und nicht aus Grevenbroich kommen, ist es im Prinzip gleich, wo sie beerdigt werden. Ich sehe da kein Problem."

(dhk)