Grevenbroich: Lebensretter mit Herz und Leidenschaft

Grevenbroich: Lebensretter mit Herz und Leidenschaft

Heinz Menninger war 1942 eines der jüngsten Mitglieder der DLRG. Nach 76 Jahren ist er der Älteste - und denkt über seinen Austritt nach.

Die Verbindung zwischen Heinz Menninger und der DLRG ist so eng, dass eine DLRG ohne den Grevenbroicher nicht denkbar wäre. Seit mehr als 75 Jahren ist der gebürtige Düsseldorfer Mitglied dieser Vereinigung, war 1948 Gründungsmitglied der Ortsgruppe Dormagen.

Jetzt zeichnen sich Sorgenfalten auf der Stirn des 88-Jährigen ab, wenn er über das Hobby spricht, das sein Leben geprägt hat. Die Urkunde, das Mitgliedsehrenzeichen in Gold, anlässlich seines Jubiläums hält er in den Händen - doch für ihn ist sie nichts wert. Datiert ist sie auf Februar 2017. Doch: "Erst ein Jahr später habe ich sie bekommen. Ich bin so enttäuscht, dass ich noch in diesem Jahr aus der DLRG austreten werde", sagt er. Dabei hat alles so schön angefangen: "Mit meinem Vater sind wir 1933 nach Dormagen gezogen. Als dort 1938 das erste Schwimmbad eröffnet wurde, war das eine absolute Neuerung", erinnert sich Heinz Menninger. "Dort lernte ich dann auf Wunsch meines Vaters schwimmen", kurz darauf wurde er _ als einer der Jüngsten - Mitglied bei der DLRG. Aufgrund einer Unachtsamkeit konnte er in diesem Jahr bereits den Grundschein erwerben. "Ich war erst zwölf. Normalerweise kann man erst mit 14 Jahren diesen Nachweis erhalten." Unter den älteren war Heinz Menninger stets der "Pipifax".

Er ist zu einer Zeit aufgewachsen, in der die Rettungsschwimmer noch im Rhein schwimmen konnten. "Die Schifffahrt war damals ganz anders. Nur die Raderkästen waren gefährlich, wenn sie leer herunterkamen, denn sie zogen das Wasser enorm zum Ufer." Viele Erinnerungen sind lebendig, etwa die, dass er bei Wettschwimmen ewig Vierter wurde. Oder wie er 1950 eine junge Frau vorm Ertrinken rettete. "Ich habe sie aus dem Rhein gezogen und musste noch fünf Mark aus meiner eigenen Tasche bezahlen, um in einer nahe gelegenen Gaststätte die Ärztin zu rufen. Das war damals viel Geld für mich." Der Dank der Geretteten blieb aus, aber für seine Heldentat erhielt er die Bronzemedaille. Auch während eines Rhodos-Urlaubs habe er eine Frau vorm Ertrinken gerettet.

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Gemeinsam mit seiner Clique hatte er eine schöne Zeit bei der DLRG. Bis alle eingezogen wurden. "Ich war beim Volkssturm bis April 1945 und habe Glück gehabt: Ich bin nicht in Gefangenschaft geraten. Von unserer Clique sind allerdings drei nicht mehr wiedergekommen", erinnert er sich noch heute zutiefst berührt. Die DLRG war zu der Zeit verboten, aber auch die erste, die von den Alliierten wieder erlaubt wurde.

Als Heinz Menninger 1995 mit seiner Frau nach Grevenbroich zog, nahm er gleich an der dort ausgetragenen Schwimm-Bezirksmeisterschaft teil. "Damals war ich zum ersten Mal dabei und stand gleich zweimal auf dem Treppchen", erinnert er sich schmunzelnd. "Ich war immer eine Wasserratte. Aber jetzt bin ich so enttäuscht von dem Verhalten des Vereins, zudem schwimme ich aus gesundheitlichen Gründen seit Jahren nicht mehr. Dieses ist mein letztes Jahr in der DLRG."

(NGZ)