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Grevenbroich: Landrat stellt TuS-Kunstrasen in Frage

Grevenbroich : Landrat stellt TuS-Kunstrasen in Frage

Landrat Hans-Jürgen Petrauschke hat die Pläne für einen Kunstrasenplatz im Schlossstadion abgelehnt. Bürgermeisterin Kwasny soll die Notwendigkeit prüfen. Der Vorstand des TuS sieht den Verein ohne den neuen Platz vor dem Aus.

"Das war eine Ohrfeige, ganz kurz vorm Ziel." Vorsitzender Friedel Geuenich (53) und sein Vize Wilfried Faßbender (64) sind geschockt. Die Ablehnung von Landrat Hans-Jürgen Petrauschke für den neuen Kunstrasenplatz des TuS Grevenbroich schätzen sie als das "Aus" für ihren rund 750 Mitglieder starken Traditionsverein ein: "Unter den jetzigen schlechten Bedingungen werden wir unsere jungen Mannschaften verlieren", sagt Geuenich. "Unser Aushängeschild, die D1-Jugend, haben wir in diesem Jahr nur mit dem Versprechen für bessere Spielbedingungen halten können", ergänzt Faßbender.

Wie viel Geld der Kunstrasenplatz genau kosten soll, ist nicht bekannt. Nach Schätzung der Stadtverwaltung werden es etwa 700 000 Euro sein. Der genaue Betrag soll bis zur nächsten Sitzung des Sportausschusses im März 2013 ermittelt werden. Das Gremium hatte aber bereits im November signalisiert, den TuS Grevenbroich unterstützen zu wollen – trotz leerer Kassen.

Dagegen meldet Landrat Hans-Jürgen Petrauschke nun Bedenken an. In seiner Eigenschaft als "Finanzaufsicht" hat er Bürgermeisterin Ursula Kwasny aufgefordert, die Notwendigkeit dieses Projekts zu begründen. "Kunstrasenplätze sind heutzutage die Norm – und sicherlich auch wünschenswert. Aber für die Kommune gilt es, die Finanzlage im Auge zu behalten", sagt Petrauschke. Die Stadt steuert 2016, spätestens 2017 auf die Pleite zu, die Grevenbroicher Haushaltslage sei "katastrophal", betont der Landrat. Deshalb möchte er wissen, warum die Kommune den TuS mit mehreren hunderttausend Euro unterstützen will. "Wenn der Kunstrasen etwa unbedingt für den Schulsport gebraucht würde, dann gäbe es eine Notwendigkeit. Aber das muss erst nachgewiesen werden", so Petrauschke. Er appelliert an die Bürgermeisterin, angesichts der hohen Schulden Prioritäten zu setzen.

Ursula Kwasny hat den mahnenden Brief des Landrats bereits an das zuständige Dezernat unter der Leitung des Ersten Beigeordneten Michael Heesch weitergereicht: "Die Mitarbeiter sollen nun eine Begründung liefern", sagt die Verwaltungschefin. Grundsätzlich meint Kwasny, dass es künftig immer schwieriger werde, heimische Vereine finanziell zu unterstützen.

Doch die TuS-Sportler wollen nicht aufgeben, für ihr Anliegen zu kämpfen. "Als Verein haben wir die Chance, junge Menschen von der Straße zu holen und für Sport zu begeistern", sagt Friedel Geuenich. Dies könne aber nur durch gute Spiel- und Trainingsbedingungen gelingen. "Unser Anliegen ist kein Luxus, sondern notwendig für unsere Arbeit als Verein." Wilfried Faßbender ergänzt: "In der Umgebung gibt es fünf Kunstrasenplätze – dorthin sind bereits zwei unserer Mannschaften abgewandert." Wenn die Spiel- und Trainingsbedingungen nicht auch im Schlossstadion verbessert werden, "dann haben wir bald nur noch ältere Mannschaften und keine Zukunft mehr als Verein".

Währen Kooperationen mit anderen Vereinen eine Möglichkeit? "Das haben wir jetzt bereits mit RW Elfgen oder der SG Orken/Noithausen getan", sagt der erste Vorsitzende. Auf Dauer würden aber die gewachsenen Strukturen innerhalb des Vereins zerstört, wenn Training und Spiel außerhalb der eigenen Spielflächen stattfinden würden.

Was die TuS-Aktiven jetzt tun wollen: "Wir werden kämpfen und zunächst mit der Bürgermeisterin sprechen."

(NGZ)