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Grevenbroich: Landrat: Stadt plant zu viele Altenheime

Grevenbroich : Landrat: Stadt plant zu viele Altenheime

In Grevenbroich werden zu viele Seniorenheime geplant. Das kritisiert Landrat Hans-Jürgen Petrauschke. Er befürchtet eine Überkapazität an Altenpflegeplätzen. Denn diese würden den Haushalt des Kreises in Millionenhöhe belasten.

Der Termin steht: Am Mittwoch wird die Gesellschaft "Procon" in Elsen den Grundstein für das fünf Millionen Euro teure "Seniorenzentrum Bernardus" legen. 80 Pflegeplätze werden bis zum Herbst an der Matthias-Esser-Straße entstehen. Es ist nicht das einzige Projekt dieser Art: An der Lindenstraße soll ebenso ein Seniorenhaus gebaut werden wie hinter der Wevelinghovener Kirche.

Der Rhein-Kreis betrachtet diese Aktivitäten nicht nur mit Skepsis, er übt sogar scharfe Kritik daran. Landrat Hans-Jürgen Petrauschke stellte die Stadt Grevenbroich im Kreisausschuss sogar als "Negativbeispiel" heraus. "Wie vor wenigen Tagen bekannt wurde, soll in Kapellen eine weitere Pflegeeinrichtung mit 80 Plätzen entstehen. Das wäre die fünfte Neubauplanung in Grevenbroich", sagte er. Bis zum Jahr 2015 würde die Stadt damit die Zahl ihrer Altenpflegeplätze verdoppeln – von heute 419 um weitere 420. "Das sind fast 280 Plätze zu viel, was einer Überkapazität von mehr als drei Einrichtungen mit je 80 Plätzen entspricht", so der Landrat.

Die Stadt Grevenbroich steht zwar an der Spitze, doch auch andere Kommunen im Rhein-Kreis planen den Bau von Pflegeeinrichtungen – etwa Jüchen und Rommerskirchen. Und das besorgt Petrauschke: "Damit entsteht ein erheblicher Überhang an Pflegebetten, für die es derzeit keinen Bedarf gibt. Zu den bereits bestehenden 3354 Betten sollen bis 2015 weitere 786 hinzukommen, ohne dass der Kreis auf diese Entwicklung Einfluss nehmen kann." Das wären mehr als 300 Betten zu viel, rechnet Jürgen Steinmetz, der allgemeine Vertreter des Landrats, vor.

Diese Entwicklung spiegelt sich auch im Kreishaushalt wider. Denn über das Pflegewohngeld und über die Hilfe zur Pflege muss der Kreis die Kosten tragen, die durch die Inanspruchnahme der Pflegesätze in den Heimen entstehen. "Innerhalb von fünf Jahren sind diese Kosten um 5,5 auf mehr als 22 Millionen Euro pro Jahr gewachsen", sagt Steinmetz. Der Kreis habe die Kommunen darauf hingewiesen, dennoch würden immer wieder Neubaupläne bekannt, die teilweise von den Städten und Gemeinden gefördert oder unterstützt würden.

Nach Ansicht von Gert Ammermann (CDU) wird der Öffentlichkeit Sand in die Augen gestreut. Mit jedem neuen Heim sinke die Belegungsrate in den bestehenden Häusern. Damit drohen auch Insolvenzen. "Wir müssen wieder zu einer Bedarfsfeststellung durch den Kreis oder einer anderen Ebene kommen", forderte er.

Susanne Stephan-Gellrich (Bündnis 90/Die Grünen) bat die Kreisverwaltung um Prüfung, ob die Kosten des Pflegewohngeldes nicht für die Städte und Gemeinden ausgerechnet und dann jeder Kommune in Rechnung gestellt werden könnten. Damit würden Fehlplanungen nicht mehr zu Lasten des Kreishaushaltes gehen, betonte sie.

Beim ersten Spatenstich für das "Seniorenhaus Bernardus" hatte Bürgermeisterin Ursula Kwasny Ende Oktober erklärt, dass sie für ein weiteres Altenheim in City-Nähe keinen Bedarf sehe. Bereits zwei Monate später stellte die Stadt die Pläne für das von der Firma "Pro Urban" geplante Seniorenzentrum "Lindencarré" vor.

(NGZ/ac)