1. NRW
  2. Städte
  3. Grevenbroich

Grevenbroich: Kwasny kritisiert Windpark

Grevenbroich : Kwasny kritisiert Windpark

Auf der Königshovener Höhe sollen 18 Windräder gebaut werden – etwa 1800 Meter von Gindorf und Frimmersdorf entfernt. Bürgermeisterin Ursula Kwasny meldet jetzt ihre Bedenken gegen dieses Projekt an.

Auf der Königshovener Höhe sollen 18 Windräder gebaut werden — etwa 1800 Meter von Gindorf und Frimmersdorf entfernt. Bürgermeisterin Ursula Kwasny meldet jetzt ihre Bedenken gegen dieses Projekt an.

Etwa 100 Millionen Euro will RWE Innogy in einen rund 345 Hektar großen Windpark auf der Königshovener Höhe investieren. Auf der Bedburger Seite des Rekultivierungsgebiets sollen sich künftig 18 Windräder mit Höhen bis zu 180 Metern drehen. In Grevenbroich werden nun Bedenken gegen dieses Projekt laut. In einem Brief an die Nachbarkommune — der unserer Zeitung vorliegt — meldet Bürgermeisterin Ursula Kwasny massive Kritik an.

Und das nicht nur, weil sich die Rotoren in Sichtweite von Gindorf und Frimmersdorf konzentrieren sollen. Es sind vor allem artenschutzrechtliche Gründe, die Kwasny ins Feld zieht. Konkret geht es ihr um Vögel, zum Teil um seltene Exemplare. "In den vergangenen drei Jahren sind dort alleine 41 Arten registriert worden, die auf der Roten Liste der gefährdeten Brutvögel stehen", warnt Kwasny. Darunter Wiesen- und Kornweihen, die extrem selten geworden sind.

Die Befürchtung der Bürgermeisterin: Nicht nur die seltenen Tiere könnten durch sich drehenden Rotoren leicht getötet werden. Dies sei keine Seltenheit, in Grevenbroich seien schon mehrfach Greifvögel unter den Windkraftanlagen gefunden worden. "Deren Todesursache war eindeutig auf Vogelschlag zurückzuführen", so Kwasny.

Ein weiteres Problem aus Sicht der Bürgermeisterin: das Baro-Trauma. "Hierbei platzen Vögeln durch erhebliche Druckunterschiede, die durch die Rotoren verursacht werden, die Lungen. Somit sterben sie auch ohne direkten Kontakt", schreibt die Bürgermeisterin.

In ihrer Kritik am geplanten Windpark stützt sich die Bürgermeisterin auf eine Biotop-Kartierung des städtischen Umwelt-Experten. Schon seit Jahren beobachtet und zählt der Neuenhausener Norbert Wolf die Vögel im Grenzgebiet zwischen Grevenbroich und Bedburg. Sein Urteil: "Die Königshovener Höhe hat sich zu einem Paradies für Vögel entwickelt." Bislang hat er dort 103 Arten gezählt, 55 von ihnen haben das ehemalige Tagebaugebiet als Brutplatz gewählt. Turm-, Wander- und Baumfalke würden sich dort ebenso wohl fühlen wie Mäuse-, Wespen und Raufußbussarde.

Ziehende Großvögel wie Weißstörche und Kraniche würden von der Königshovener Höhe aus gezielt die Thermik der umliegenden Kraftwerksblöcke anfliegen. "Durch die lokale Dichte der Windkraftanlagen sind auch diese Arten latent bedroht", meint Ursula Kwasny mit Blick auf die Rotoren, die schon im Umfeld des Rekultivierungsgebiets stehen.

Sollte das Verfahren "trotz der massiven artenschutzrechtlichen Bedenken" fortgeführt werden, erinnert Kwasny daran, dass die Rotoren auch das Grevenbroicher Stadtgebiet beeinträchtigen würden. Sie fordert für diesem Fall einen entsprechenden Ausgleich.

(NGZ)