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Grevenbroich: Kuriose Online-Anfragen an die Stadtverwaltung

Grevenbroich : Kuriose Online-Anfragen an die Stadtverwaltung

Die Stadt Grevenbroich bietet über ein Kontaktformular im Internet die Möglichkeit zu Anregungen – und soll bisweilen Ehepartner vermitteln.

Die Stadt Grevenbroich bietet über ein Kontaktformular im Internet die Möglichkeit zu Anregungen — und soll bisweilen Ehepartner vermitteln.

Natürlich ist diese Anfrage ein Hilfeschrei. Birgit Schikora, Leiterin des Jugendamtes, und ihre Kollegen müssen schnell reagieren. Per E-Mail meldet sich der Teenager bei der Stadt und bittet um Beistand. Seine Familiensituation sei schrecklich, er brauche dringend jemanden zum Reden — ohne seine Eltern. Stadtsprecher Andreas Sterken weiß, dass dies kein Einzelfall ist. "Da ist schnelles Handeln gefragt." Die Anfrage kommt per Mail über das Kontaktformular auf der städtischen Internetseite www.grevenbroich de. Pro Jahr gehen 500 bis 600 Anfragen über dieses Formular bei der Stadt ein. Nicht immer ist das Anliegen der Bürger dabei so ernst. Manche Anfragen nehmen sich sogar durchaus skurril aus.

Die Verwaltung mag für vieles verantwortlich sein. Aber fürs Verlieben ist sie dann doch nicht zuständig. Denn ein Büro hat der Liebesbote Amor noch nicht im Rathaus bezogen. Und doch melden sich in schöner Regelmäßigkeit Bürger über das Kontaktformular mit außergewöhnlichen Wünschen ihr Herz und ihre Libido betreffend. "Suche Frau zum Heiraten" — solche Anfragen trudeln eben auch übers Internet im Rathaus ein. Da wird's dann für die Verwaltung schwierig. Anders verhält es sich bei Anfragen, die nicht weniger persönlich sind. "Es gibt auch Bürger, die zum Beispiel Familienmitglieder suchen", sagt Sterken. Oft gesucht werden Vater oder Mutter, die sich Jahre zuvor von der Familie abgewandt haben. Kinder, die damals noch zu jung waren, um die Trennung bewusst zu erleben, machen sich später auf die oft beschwerliche Suche. Da kann die Verwaltung Tipps geben, wie die Verwandten eine solche Suche am besten angehen.

Zurzeit gehen im Rathaus aber vor allem für die Jahreszeit übliche Beschwerden ein — zum Beispiel über Mängel an Gehwegen oder sonstige durch den Frost verursachte Schäden. "Insgesamt überwiegen die Meldungen über Missstände im öffentlichen Verkehrsraum", sagt Sterken. "Wir bekommen jedoch auch öfters Anfragen, die den Rhein-Kreis Neuss, unsere Nachbargemeinden Jüchen und Rommerskirchen sowie sonstige Behörden und Einrichtungen betreffen." In diesem Fall wird der Kontakt zum richtigen Ansprechpartner für die Bürger hergestellt.

Dass die Beschwerde übers Internet durchaus etwas bringt, hat der Kapellener Dirk Gerardts im vergangenen Jahr erfahren. Lange Zeit ärgerte er sich über ein tückisches Schlagloch an der Kurze Straße. Erst nach seiner Beschwerde über das Kontaktformular kam Bewegung in die Sache. Und auch viele Schüler haben gute Erfahrungen mit dem Angebot gemacht — und für Referate, die sie im Unterricht zur Stadtgeschichte halten mussten, um Hilfe zu die Historie betreffende Fragen gebeten.

Nicht immer kann jedoch auf Anhieb geholfen werden. Zum Hochwasser 1926 zum Beispiel — damals wurden im Frühjahr wegen der starken Regenfälle die Tagebaue überflutet — begaben sich Bürger auf die Suche nach einer Gedenktafel. Wolfgang Brandt, Leiter des Stadtarchivs, muss da jedoch passen. "Eine solche Tafel ist bei uns nicht bekannt", sagt er.

(NGZ/rl)