Grevenbroich: Kunst-Projekt mit Lern-Effekt

Grevenbroich: Kunst-Projekt mit Lern-Effekt

Humboldt-Gesamtschüler gestalten ein verschandeltes Stromhäuschen.

Iken Vanden ist Schulsozialarbeiterin. Derzeit leitet sie ein Projekt an der Hans-Sachs-Straße; dort wird ein altes Stromhäuschen von Schülern der Wilhelm-von-Humboldt-Gesamtschule neu gestaltet. Für Vanden sind Graffiti eine Ausdrucksweise junger Leute mit künstlerischem Anspruch, eine liebevolle Art, wie sich manches bunter und freundlicher gestalten kann. "Das Projekt ist ein wichtiger Beitrag fürs informelle Lernen", sagt die gebürtige Niederländerin.

"Die Kinder lernen beispielsweise, geduldig zu sein", benennt sie einen wesentlichen Beitrag. Es auszuhalten, "dass nicht sofort Action ist, sondern sorgfältig geplant und vorbereitet werden muss", sei den meisten der zehn jungen Teilnehmer fremd. Das sei schon zum Auftakt klargeworden, als die ersten Skizzen gezeichnet und nach zwei Bleistiftstrichen mit "Nö, das wird nicht gut genug" entsorgt wurden. "Nur in virtuellen Welten ist immer alles perfekt, in Echtzeit nicht", geben sie und Kollege Thomas Wiemann zusammen mit der didaktischen Leiterin Christine Rellersmann Tipps. Und diese Ratschläge lernen die Schüler anzunehmen.

"Das Leben besteht zum Glück immer wieder daraus, dazuzulernen", sagt Iken Vander. Lehrstoff im Unterricht zu erfassen, ist fürs Wissen wichtig. Informelles Lernen ist ein wesentlicher pädagogischer Hintergrund der Aktion. Ehe es zusammen mit Graffiti-Star "ami-one" tatsächlich ans Besprühen der inzwischen in einem zarten Gelb grundierten Trafo-Häuschen geht, werden künstlerische Vorübungen gemacht. Dazu werden Folien wie Leinwände zwischen die Bäume auf dem Schulgelände gespannt.

Joel, Gabriel, Yigithan (alle 11) müssen ihre Konflikte und Frustrationen aushalten - "denn nicht alles lässt sich einfach so sprühen, wie man es sich vorstellt", sagt Iken Vander. Und da "ami-one" nicht überall gleichzeitig erklären kann, lernen die Kids voneinander. Start der Graffiti-Aktion war Mitte April, innerhalb von insgesamt acht Wochen, also bis Mitte Juni, soll das Objekt in neuem Glanz erstrahlen.

Immer mittwochs ab 13 Uhr sind die Nachwuchs-Künstler, bestens geschützt mit Atemmasken und Overalls, mit ihren Ideen und Farbbüchsen unterwegs, um ihr Werk zu vollenden. Und werden zum Ende des erstmalig in Grevenbroich durchgeführten Projekts hoffentlich noch etwas anderes erfahren: "Wertschätzung für ihr Werk."

(von)