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Grevenbroich: Kunst-Fahnen wehen jetzt im Stadtpark

Grevenbroich : Kunst-Fahnen wehen jetzt im Stadtpark

Seit Montag hängen die 14 großformatigen Fahnen der Künstlerin Beate Oehmann im Park. Für die Aktion "Im Wind" sorgt der Kunstverein.

Wie große Lebewesen streichen sie um die Bäume — mal gleiten sie majestätisch im Wind, mal bauschen sie sich bei einer Böe raschelnd zu einer neuen Figur auf. Seit Montag präsentiert sich ein Teil des Stadtparks — vor allem auf der Wiese neben der Villa Erckens — als bunte Fahnen-Landschaft.

Bis Sonntag, 16. Juni, ist die Freiluft-Ausstellung "Im Wind" mit bis zu sieben Meter hohen Werken der oberbayerischen Künstlerin Beate Oehmann zu sehen. Der Kunstverein kooperiert dabei mit dem "Museum der Niederrheinischen Seele". In dessen Räumen werden ab Mittwoch großformatige, zum Teil drei Meter hohe Stickerei-Arbeiten ebenfalls von Oehmann gezeigt.

Schon zum dritten Mal verwandelt der Kunstverein mit einer Aktion einen Teil des Stadtparks in einen frei zugänglichen Kunst-Raum. Nach den Illuminationen "Im Wundergarten des Lichts" 2007 — 11 000 Besucher kamen damals — und "Insel im Licht" 2011 ist diesmal kein Strom fürs Kunsterleben nötig. Der Wind erweckt das an Bäumen aufgehängte Polyester-Tuch zum Leben. "Wir wollen mit unseren Aktionen den Grevenbroichern etwas Besonderes, Hochkarätiges bieten", sagt Vereinsvorsitzender Professor Hans-Rainer Willmen. "Es handelt sich um die erste Fahnen-Ausstellung von Beate Oehmann in Nordrhein-Westfalen."

Durch eine Ausstellung in Celle wurde der Kunstverein auf die im oberbayerischen Weilheim lebende Künstlerin aufmerksam, die schon in vielen Städten ihre Arbeiten zeigte. Zu den Kosten der Aktion für den Verein schweigt Willmen: "Wir werden von Sponsoren unterstützt". Nun hofft er, dass viele Grevenbroicher in den Stadtpark kommen, um die Kunst "Im Wind" zu erleben.

Die Sonne und eine leichte Brise boten am Montag beste Bedingungen, um die mit einem Hubsteiger aufgehängten Werke zur Geltung zu bringen. "Ich bin immer wieder selbst überrascht, was aus den Fahnen wird, wenn sie nicht mehr am Boden liegen, wenn der Wind sie erfasst", sagt Oehmann, die ihre Arbeit als Pop Art-Kunst bezeichnet. Spontan musste sie am Montag ihr Konzept umplanen — die Stadt hatte einen großen Baum gefällt, in dem Oehmann eigentlich Fahnen aufhängen wollte.

Eine Botschaft will sie mit den farbenfrohen Werken nicht vermitteln. "Ich möchte, dass sich die Menschen daran erfreuen." Am Anfang des Schaffensprozesses stehen gerade mal Postkarten-große Motive, die Oehmann in ihr Arbeitstagebuch zeichnet, etliche solcher Bücher sind bereits gefüllt. Mit einem Stecken, an dessen Spitzé ein Kreidestück befestigt ist, zeichnet sie die Figuren auf die Polyester-Bahnen auf und näht die ausgeschnittenen Stücke auf einer Industriemaschine zusammen. "Ich mache alles selbst", so die Künstlerin, die weiß, dass die Lebensdauer der dem Wetter ausgesetzten Fahnen kurz ist. "Alles ist vergänglich. "

Im Gegensatz zu vielen anderen Ausstellungen ist Berühren durchaus erlaubt. "Es ist toll, wenn Kinder unter den wehenden Fahnen herlaufen", schildert Oehmann. Der Kunstverein denkt aber auch an Menschen, die rohere Absichten hegen. "Die Werke werden abends und nachts von Security-Mitarbeitern mit Hund bewacht", sagt Willmen.

(NGZ/ac)