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Kultur in Grevenbroich: Thomas Möcker stellt in der Versandhalle aus

Kultur in Grevenbroich : So werden aus Street Art Kunstwerke

Thomas Möcker zeigt Collagen, Portraits und Video-Installationen in der Grevenbroicher Versandhalle. Auf Wunsch bietet der Künstler individuelle Führungen an. Anruf genügt!

 Wenn Thomas Möcker die Lust an der Collage packt, dann will er sich nicht klein machen. Mehr als vier Quadratmeter misst das größte Werk, das ab Sonntag in der Versandhalle zu sehen sein wird. Und wer das Wimmelbild aus Fragmenten, Ideen, Halbsätzen, bekannten und unbekannten Personen des öffentlichen Lebens auf diesem Planeten erfassen will, macht beim Betrachten das, was der Titel der Ausstellung „A Digital Art Journey“ verspricht: eine Reise quer durch Länder, Mythen Stilrichtungen.

Vier Jahre nach seiner bislang letzten Ausstellung ist der 51-Jährige, der zur Grevenbroicher Gruppe E1 gehört, bereit für die nächste Werkschau. Und wie 2016 ist er damit in seiner Heimat zu Gast: „Ich bin stolz darauf, dass ich gefragt worden bin, ob ich in der Versandhalle ausstellen möchte.“ Dafür bringt Möcker neue Arbeiten mit. Sie lassen sich in vier Themenbereiche einteilen. Der aktuellste handelt von der Corona-Pandemie und soll den Einfluss des manchmal tödlichen Virus auf die Straßen-Kunst, auf die Street Art, erfassen.

Das war nicht leicht. Reisen geht zurzeit mit Risiko einher, nicht mit der Lust am bislang Unentdeckten. Also hat sich Thomas Möcker mit Maus und Fingertipp auf den Weg gemacht und weltweit rund 60 Bilder von Street Art aus dem Internet eingesammelt. Sie thematisieren Corona. Das Masketragen. Das Abstandhalten. Die Brüche im bislang Normalen. Die Kritik.

Thomas Möcker stellt ab Sonntag, 4. Oktober, in der Versandhalle aus. Neben Collagen sind Potraits und eine Videoinstallation zu sehen. Foto: Berns, Lothar (lber)

Eine Auswahl dieser Motive läuft als Gesamtkunstwerk in der Versandhalle ab. Der Datenstrom verteilt sich auf neun Bilderrahmen. Auf jeder der 20 Zentimeter im Durchmesser großen Flächen läuft eine Handvoll von Bildern in einer Endlosschleife ab. Zwischenblenden aus den Ampelfarben Rot und Grün grenzen die Motive voneinander ab. „Grün steht bei mir für die Hoffnung“, sagt Möcker, „Rot für eine Warnung, für die Gefahr.“

Wenn nach dem Mann mit der strengen Brille geht, wird die Virusgefahr, also das rote Stopp-Licht, so rasch wie möglich erlöschen. Denn das Reisen in ferne Länder und die Spurensuche nach „Murals“, nach Wandbildern der Straßenkünstler, hat Thomas Möcker Spaß gemacht. „Seit ich mit meiner Kunst Mitte der 1990er Jahre begonnen habe, hatte ich international tätige Arbeitgeber“, erinnert Möcker sich. Also ging er an einem freien Tag der Dienstreise nach in Los Angeles nicht an den Santa Monica- oder Venice Beach, sondern machte sich Möcker auf in den Art District der Stadt. Auf langen Spaziergängen entdeckte er hinter jeder Häuserecke ein neues Wandgemälde, eine neue Überraschung. „Was ich dort und an vielen anderen Orten auf der Welt gefunden habe, nahm ich meist als Fotografie mit nach Hause“, sagt Möcker.

Manchmal hat er zwischendurch einfach nur geschaut und genossen. Aber so entstand in den zurückliegenden 20 Jahren eine enorme Foto-Sammlung von Werken unbekannter Künstler, die Möcker in wochen-, manchmal monatelanger Arbeit am Computer neu zusammensetzt. Heraus kommen sehr dichte Collagen.

Ein Drucker bringt die am Hochleistungscomputer zusammengefügten Collagen dann zu Papier. Dazu braucht es ein Ausgabegerät, das groß genug ist, um Lastwagenplanen zu bedrucken. „Darin wird Leinwand eingespannt und die manchmal mehr als ein Gigabit große Datei wird Zeile für Zeile zu Papier gebracht.“ Die kreative Arbeit von Monaten auszugeben, dauert eine knappe Viertelstunde.

Neben die Corona-Motive und den Streetart-Collagen stellt Möcker seine Ikonen. Das sind David Bowie, Grace Jones, Andy Warhol und – ja – auch Donald Trump. „Da werden manche zucken, aber auch Trump hat einen großen Einfluss auf die Menschen dieser Epoche.“

Komplettiert wird „A Digital Art Journey“ durch den vierten Part, eine Videoinstallation. „Nowhere Man“ zeigt einen Reisenden in einem schwarzen Anzug und mit schwarzem Helm, der irgendwo zwischen Start und Ziel verloren gegangen ist. Damit das dem Besucher in der Versandhalle nicht passiert, bietet Künstler Thomas Möcker einen besonderen Service an. Jeweils sonntags wird er in der Ausstellung ohnehin zugegen sein. Wer außerhalb der Wochenenden etwas über die Werke erfahren möchte, kann telefonisch mit ihm einen Termin vereinbaren: 0176 63866363.