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Grevenbroich: Künstlerin verbrennt ihr Projekt "Gedankengebäude"

Grevenbroich : Künstlerin verbrennt ihr Projekt "Gedankengebäude"

Im Rahmen eines Uni-Seminars hat die Wevelinghovenerin Kerstin Mucha, die an der Essener Folkwang-Universität der Künste studiert, ihr Projekt "Gedankengebäude" vorgeführt. Mitten im ehemaligen Wellenbecken verbrannte sie einen etwa zwei Meter hohen Holzkubus, der mit intimen Gedanken der Künstlerin gefüllt war: herausgerissenen Seiten ihres Tagebuchs. "Die Vorgabe für die Abschlussarbeit unseres Kurses 'Experimentelle Gestaltung' lautete lediglich, dass es mit dem Thema Phönix zu tun haben sollte", erklärt Mucha, die vor ihrem Diplom steht. Phönix, der aus der Asche steigt, ist der Mythos eines Vogels, der verbrennt, um aus seiner eigenen Asche zu etwas Neuem zu werden.

"Das Leben ist ein Prozess, in dem ständiger Wandel stattfindet, aber dieser Wandel vollzieht sich meist unbewusst. Das bewusste Einleiten einer Veränderung ist für mich daher besonders spannend", so Mucha. An dem Phönix-Mythos fasziniere sie vor allem, dass Zerstörung und Neubeginn so dicht beieinander liegen, sich geradezu bedingen. Bevor ihr "Gedankengebäude" jedoch in Feuer und Flamme aufging, um Raum für Neues zu schaffen, wurden die Zuschauer aufgefordert, sich das Innere des kleinen Holzhäuschens noch einmal anzusehen. An kreuz und quer durch das Haus gespannten Fäden hingen dort die Seiten ihres Tagebuchs — deutlich lesbar für jeden, der es wollte. Dazu an den Seitenwänden aufgeschriebene "negative Leitsätze", von denen sich die Künstlerin bewusst trennte: "Was werden die anderen von mir denken?", "Ich kann das nicht", "Ich bin nicht schön genug", "Ich habe nicht genug Zeit" oder "Das wird bestimmt nicht wieder gut". — "Mit meiner Aktion entscheide ich aber selber, was ich von mir transparent mache, und zerstöre es dann aktiv." Das nahm sie dann auch wörtlich und übergoss ihr "Gedankengebäude", das sie mit Hilfe des E1-Künstlers Gereon Riedel aus einfachen Holzlatten gebaut hatte, mit mehreren Flaschen Spiritus — und brannte es nieder.

(suzo)