Künstler Matthias Hintz stellt in der Versandhalle Grevenbroich aus

Markante Objekte in der Grevenbroicher Versandhalle: Wenn alte CDs zur Skulptur werden

Was Menschen bewegt, was sie denken und fühlen – das interessiert  Matthias Hintz. In seiner aktuellen Ausstellung zeigt er kunstvolle Ergebnisse in Form sogenannter Daten-Skulpturen. Dafür transformiert er ausrangierte CDs.

Was andere aussortieren, ist für ihn wertvolles Material. Längst sind für Bildhauer Matthias Hintz nicht mehr klassische Werkstoffe wie Stein, Wachs und Holz interessant. Der in Hülchrath lebende Künstler nutzt ausrangierte CDs. Ein Kunststoff wird bei ihm zu Kunst, aus ihnen fertigt er seine sogenannten Daten-Skulpturen. Ab Sonntag ist in der Versandhalle zu erleben, wie sie ausschauen.

„Der Mensch in den Dingen“ ist die Schau benannt, „mein Leitsatz seit 20 Jahren“, wie der Akademie-Absolvent und Meisterschüler aus der Klasse Günther Ueckers erklärt. „Aus der Not geboren“ habe er damals den Titel. Denn was ihn interessiert, ist der Mensch, „wie er denkt, fühlt, was in antreibt – im Guten wie Schlechten“. Was sind Ideale, wie wird für Freiheit gekämpft oder die Gleichberechtigung zwischen Frauen und Männern gelebt? Das sind Fragen, die er umzusetzen versucht. Gerne kommt er dazu beispielsweise in der ländlichen Idylle vor seinem Atelier mit Passanten ins Gespräch. Mal über die sich hier tummelnden Nilgänse, Libellen und Nutrias, mal über die vor seiner Werkstatt positionierte Skulptur.

„Manche sehen darin einen Schneemann, mitten im Sommer, andere den Sensemann“, erzählt er über eine Assoziation zum Tod. „Dabei ist für mich die Sense gleichbedeutend mit Ernährung.“ Als kleiner Junge nahm er dieses Gerät in die Hand, um seinem Großvater bei der Getreideernte zu helfen. „Es unterliegt der jeweiligen Fantasie, was das Wesen der Dinge ist.“ Den Mut, sich auf seine Kunst einzulassen, müsse der Betrachter mitbringen. Und bereit sein, sich auf Neues einzulassen. „Die Sense bedeutet nicht nur Tod, Erfolg bemisst sich nicht in Reichtum – und in Hässlichem steckt Schönes“, skizziert er seine Sicht der Welt und kommt ins Philosophieren über Farben und deren Konnotation zu Emotionen.

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Als figürlich beschreibt er seine Kunst, „ich mache, was ich für richtig halte“, letztlich möchte er zum „denken und fühlen inspirieren – und dass die Leute Empathie entwickeln“. Sein Lebensthema ist der Mensch in all seinen Facetten. Mehr als 40.000 Gene bestimmen den Menschen und ebenso viele Infos trägt so manche CD.

Also transformiert Matthias Hintz die digitalen Daten des Silberlings, um daraus analoge Skulpturen zu schaffen. Zehntausende dieser Kunststoffrundlinge braucht er, um seine Figuren zu kreieren. Per Heißluftpistole erhitzt und mit Zangen geformt, entstehen die transparenten Gebilde, bei denen lediglich die Farbe an das Ausgangsmaterial erinnert. „Wie die Jahresringe eines Baumes besteht die Skulptur aus Informationen“, das sei ja „das Tolle, der Werkstoff ist keine profane Folie“, sondern habe quasi eine eigene Geschichte. Und nur, weil die Skulpturen filigran wirken und aus wenig wiegendem Material kreiert sind, „sollte man sie nicht für zu leicht befinden“.

Am Sonntag, 11 Uhr, eröffnet Kulturamtschef Stefan Pelzer-Florack die Schau „Der Mensch in den Dingen“ in der Versandhalle. „Ich freue mich, zuzusagen zu Hause meine Arbeiten zeigen zu können“, freut Hintz sich auf die Ausstellung.

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