Kraftwerk wieder in Betrieb genommen: Kühlschrank verursacht Großbrand

Kraftwerk wieder in Betrieb genommen: Kühlschrank verursacht Großbrand

Von Wiljo Piel Ein Kühlschrank hat den Großbrand im Kraftwerk Frimmersdorf verursacht. Durch einen technischen Defekt wurde ein Feuer entfacht, das einen Sachschaden von 20 Millionen Euro anrichtete. Nach dem Totalausfall des Betriebs ging jetzt der erste 150-Megawatt-Block wieder ans Netz.

Von Wiljo Piel Ein Kühlschrank hat den Großbrand im Kraftwerk Frimmersdorf verursacht. Durch einen technischen Defekt wurde ein Feuer entfacht, das einen Sachschaden von 20 Millionen Euro anrichtete. Nach dem Totalausfall des Betriebs ging jetzt der erste 150-Megawatt-Block wieder ans Netz.

Drei Tage nach dem Brand der Zentralwarte, die zur Abschaltung aller Kraftwerksblöcke in Frimmersdorf führte, wurde in der Nacht zu am Dienstag der 150-Megawatt-Block "Ludwig" wieder in Betrieb genommen und an das öffentliche Versorgungsnetz geschaltet. Damit produziert die erste Anlage am Standort wieder Strom und vor allem Prozessdampf.

"Weitere Blöcke werden in den nächsten Tagen folgen", erklärt Dr. Hans-Jürgen Dürselen, Leiter der Abteilung Anlagentechnik. Ursprünglich waren die Frimmersdorfer Kraftwerker davon ausgegangen, dass der erste von insgesamt 14 Blöcken erst in der kommenden Woche wieder ans Netz gehen würde. Doch: "Wir haben hier eine hochmotivierte Mannschaft, die nur ein Ziel hat: das Kraftwerk schnellstmöglich wieder komplett in Gang zu setzen", meint Dürselen und betont: "Vor diesem Team ziehe ich meinen Hut."

Zurzeit wird daran gearbeitet, einen der beiden großen Blöcke, die 300-Megawatt-Anlage "Paula", wieder ans Netz zu bringen. Ihr Schwestern-Block "Quelle" befindet sich derzeit in der planmäßigen Revision und wird überholt. Die vollständige Beseitigung aller durch den Brand entstandenen Schäden wird noch einige Wochen in Anspruch nehmen. Die Ermittlungen sind zwar noch nicht vollständig abgeschlossen, die Gutachter gehen jedoch vorläufig davon aus, dass ein defekter Kompressor in einem Kühlschrank, der in einem Aufenthaltsraum unterhalb der Elektrowarte stand, den Brand verursachte.

"Dieser Raum wird zurzeit weitergehend untersucht", erklärt dazu Stephan Schwenker, Leiter der Abteilung Brandschutz. Das Feuer habe sich auf den schwer zugänglichen Kabelboden ausgeweitet und dort kilometerlange Versorgungsleitungen in Brand gesetzt.

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"Die Werksfeuerwehr reagierte umgehend und machte sich unverzüglich an die Löscharbeiten, die - entgegen erster Darstellungen - nicht unterbrochen wurden", so Schwenker: "Unsere Leute waren von Anfang an pausenlos im Einsatz, gegen 3.30 Uhr wurden dann zur Unterstützung die öffentlichen Feuerwehren angefordert."

Nach ersten Schätzungen beläuft sich der durch den Brand entstandene Sachschaden auf etwa 20 Millionen Euro. Unklar ist zurzeit, ob die Schaltwarte an der alten Stelle wieder in Betrieb genommen werden soll. "Wir denken darüber nach, sie in unmittelbarer Nähe der beiden Blöcke Paula und Quelle unterzubringen", so Dr. Dürselen. Ein allzu großer Anbau ist dafür übrigens nicht notwendig, da die Schaltwarte nach dem neuesten Stand wieder aufgebaut wird: "Die bisherigen Anlagen stammten aus den 50-er Jahren. Die heutige Technik braucht deutlich weniger Platz", erklärt der Abteilungsleiter.

Mittlerweile kommt auch die Infrastruktur des Kraftwerks wieder in Gang: "Schon am Freitag waren die ersten 80 von rund 2 000 Telefonleitungen wieder in Betrieb", berichtet Manfred Lang, Sprecher von RWE Power: "So konnte die Koordination aller beteiligten Fachabteilungen sichergestellt werden." Dazu zählte neben der Instandsetzung der Elektrotechnik der Kraftwerksblöcke vor allem auch die Sicherstellung der Fernwärme, mit der rund 300 Kunden in Gustorf und Frimmersdorf beliefert werden.

Bis zur Lieferung entsprechender Wärmemengen durch die Kraftwerksblöcke wird ein auf dem Gelände installierter ölgefeuerter Hilfsdampfkessel, der an das Versorgungsnetz angeschlossen ist, diese Funktion übernehmen. Der Tank ist mit 30 000 Liter Öl gefüllt - "damit ist eine umfassende Warmwasserversorgung der Haushalte sichergestellt", so Lang. Trotz des Ausfalls befindet sich zurzeit die komplette Mannschaft rund um die Uhr im Kraftwerk.

Wenngleich dort nicht jeder seiner gewohnten Tätigkeit nachgehen kann. Da die Bekohlungsanlage ausgefallen ist, muss sie von einem Team zusätzlich überwacht werden: "Wenn Kohle zu trocken wird, kann sie sich selbst entzünden", erklärt Manfred Lang den Grund. Und ein weiteres Feuer können die Frimmersdorfer nun wirklich nicht gebrauchen.

(NGZ)
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