Grevenbroich: Krützen will im Bahnhofsviertel aufräumen

Grevenbroich: Krützen will im Bahnhofsviertel aufräumen

Viele Grevenbroicher fühlen sich nicht mehr sicher im Quartier. Bürgermeister stellt neues Handlungskonzept vor.

Die Stadt kündigt eine härtere Gangart an, um die Probleme im Bahnhofsquartier in den Griff zu bekommen. Bürgermeister Klaus Krützen will ab sofort restriktiv vorgehen und alle rechtlichen Möglichkeiten ausschöpfen - und er kündigt einen ganzen Katalog von Maßnahmen an, mit denen für Ruhe und Ordnung gesorgt werden soll. "In dem Quartier sind einige Dinge aus dem Ruder gelaufen, die wieder in richtige Bahnen gelenkt werden müssen", sagt Krützen. Der Verwaltungschef spricht von einem Paradigmenwechsel.

In der Vergangenheit gab es immer wieder Beschwerden über Pöbeleien, Schlägereien und Rauschgiftkriminalität im Bahnhofsumfeld. Um dem zu begegnen, hat die Stadt zwar einen dreiköpfigen Ordnungs- und Sicherheitsdienst (OSD) eingesetzt - doch: "Wenn wir die Konflikte lösen wollen, ist nicht nur eine zeitweise, sondern eine dauerhafte tägliche Präsenz notwendig", sagt Krützen. "Dafür müssen wir nachsteuern." Heißt: Der OSD soll auf sechs Kräfte aufgestockt werden Und: Im Rathaus wird darüber nachgedacht, zusätzlich einen privaten Sicherheitsdienst einzustellen. "Wir ermitteln zurzeit die Kosten", betont der Bürgermeister.

Um den Ordnungskräften mehr Handlungsspielraum zu geben, ist die Stadt in Gesprächen mit der Deutschen Bahn, in deren Eigentum nicht nur der Bahnhof, sondern auch große Teile des Vorplatzes sind. "Wir haben die DB Security gebeten, das Hausrecht für diese Bereiche auf uns zu übertragen", sagt Krützen. Hintergrund: "Unsere Ordnungskräfte sind schneller vor Ort und sollten in der Lage sein, dort umgehend Hausverbote zu erteilen." Das sei zurzeit nicht möglich.

Zudem will die Verwaltung in Kontakt zur Kassenärztlichen Vereinigung Nordrhein treten. Dabei soll es konkret um die Frage gehen, ob zwei Methadon-Praxen mit jeweils 200 bis 250 Patienten verträglich für eine ländlich geprägte Stadt wie Grevenbroich sind. "Wir haben nichts gegen Substitutions-Therapien, aber in dieser Form ist das ein großes Problem", wird Klaus Krützen deutlich. In diesem Zusammenhang will die Stadtverwaltung auch mit den betroffenen Ärzten darüber diskutieren, welchen Einfluss sie auf das Verhalten ihrer Patienten nehmen können. "Im Bahnhof und in seinem direkten Umfeld ist es in der Vergangenheit vermehrt zu Belästigungen durch Personen gekommen, die oftmals den beiden Praxen zuzuordnen sind", sagt Krützen.

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Um aggressivem Betteln, Lärmen, Lagern, Nächtigen und "rauschbedingtem Verhalten" wirksam begegnen zu können, soll die städtische Gefahrenabwehrverordnung entsprechend erweitert werden. Und zwar mit dem Ziel, etwaige Konflikte rasch mit Hilfe von Bußgeldverfahren und vor allem Platzverweisen lösen zu können. "Letztere könnten mit Hilfe der verstärkten Präsenz kontrolliert und im Zweifel in Kooperation mit der Polizei durchgesetzt werden", sagt Ordnungsamtsleiter Sebastian Johnen.

Nicht nur am Bahnhof, sondern auch im angrenzenden Quartier will die Stadt künftig eine härtere Gangart an den Tag legen. Der Bürgermeister kündigt intensivere Kontrollen vor allem in Gaststätten und Spielhallen an - auch in den späten Abend- und Nachstunden. Verstöße gegen das Gewerberecht würden umgehend geahndet und könnten bis hin zur Schließung von Betrieben führen, sagte Krützen. Die Kontrollen sollen gemeinsam mit der Polizei (zuständig für illegales Glücksspiel), dem Rhein-Kreis (Prostitution) und dem Zoll (Schwarzarbeit) erfolgen.

Bei Beschwerden über Lärm, der von Gaststätten ausgeht, will die Stadt künftig restriktiver als bisher vorgehen und Verstöße umgehend ahnden. Gleiches gilt für außengastronomische Angebote, die ohne Genehmigung auf Bürgersteigen errichtet werden. "Stehtische oder Bierbänke, die einen großen Teil des Gehweges einnehmen, haben in der Vergangenheit bereits häufig zu Beschwerden von Fußgängern geführt", sagt Klaus Krützen.

Der Maßnahmenkatalog wird am Donnerstag dem Rat vorgestellt.

(NGZ)
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