1. NRW
  2. Städte
  3. Grevenbroich

Grevenbroich: Kreis stuft das Schneckenhaus als "Betrieb mit hohem Risiko" ein

Grevenbroich : Kreis stuft das Schneckenhaus als "Betrieb mit hohem Risiko" ein

Die Stadt legt dem Fachausschuss heute ein Konzept für die künftige Arbeit des Umweltzentrums vor. Das Veterinäramt hatte "erhebliche Mängel" festgestellt.

Die Stadt wird dem Umweltausschuss heute ein Konzept zur künftigen Arbeit des Schneckenhauses vorlegen. Damit reagiert sie auf die Kritik des Kreisveterinäramtes, das dem Umweltzentrum "erhebliche Mängel" in der Tierhaltung vorgeworfen hatte.

Auslöser war offenbar ein kranker Wildschwein-Frischling. Das Tier war der Kreisveterinärin Dr. Annette Kern bei einer Überprüfung im Mai aufgefallen. Das junge Schwein sei auf einer Decke im Untergeschoss des Schneckenhauses gehalten worden, von Mitarbeitern an Hals und Gesicht gedrückt und nachts mit nach Hause genommen worden. Das sei verboten, denn damit sei die Übertragung von Tierseuchen nicht auszuschließen, heißt es in einem Brief des Kreisgesundheitsdezernenten Karsten Mankowsky an die Stadtverwaltung. Kern habe das kranke Schwein von einem Tierarzt einschläfern lassen; dies sei von den Mitarbeitern der Umweltstation für nicht notwendig erachtet worden.

Eine weitere Kritik des Dezernenten: Im Schneckenhaus seien Kaninchen und Hasen in Katzentransportboxen gehalten worden, sie seien der Geräuschkulisse von Personal, Besuchern und anderen Tieren ausgesetzt gewesen. Zudem seien in der Vergangenheit ein Rotwildkalb, diverse Füchse, Raben und Igel in der Station aufgenommen worden – eine artgerechte Unterbringung habe aber gefehlt.

Wegen der wechselnden Zahl von Tieren und des ungelernten Personals stuft Mankowsky das Schneckenhaus aus tierschutz- und tierseuchenrechtlicher Sicht als "Betrieb mit hohem Risiko" ein. Zudem seien Tieren in der Haltung und Betreuung "erhebliche Leiden, Schmerzen und Schäden" zugefügt worden, "die durchaus hätten vermieden werden können".

Per Ordnungsverfügung hat Karsten Mankowsky die Aufnahme von Wildschweinen und Rotwild untersagt. Hasen, Kaninchen und Igel dürfen künftig nur dann aufgenommen werden, wenn sachkundiges Personal für eine tierschutzgerechte Haltung sorgt und geeignete Räume zur Verfügung stehen. Für Füchse gilt folgende Regel: Sobald Revierinhaber und Jäger schriftlich ihr Einverständnis erklärt haben, dass diese Tiere bei ihnen ausgewildert werden können, dürfen sie im Schneckenhaus gepflegt werden.

Mankowsky macht in seinem Schreiben an die Stadt deutlich, dass er die Arbeit der Umweltstation zu schätzen wisse. Mit der Verfügung wolle er erreichen, dass das Schneckenhaus in seiner Funktion erhalten bleiben könne. Tierschutz- und tierseuchenrechtliche Bestimmungen müssten aber eingehalten werden, ebenso müsse die Sicherheit von Mensch und Tier gewährleistet sein. Wie Stadt und Politik auf diese Kritik reagieren: Der Umweltausschuss tagt ab 18 Uhr im Bernardussaal am Alten Rathaus.

(NGZ)