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Grevenbroich: Kreis prüft das Schneckenhaus-Konzept

Grevenbroich : Kreis prüft das Schneckenhaus-Konzept

Im Umweltausschuss haben Kreisveterinärin Dr. Annette Kern und Kreisgesundheitsdezernent Karsten Mankowksky die Auflagen für das Schneckenhaus begründet. Die Stadt Grevenbroich hat derweil das geforderte Konzept vorgelegt.

Schon die Sitzordnung vorne im Bernardussaal deutet an, dass da zwei Platz nehmen, deren Meinung weit auseinander liegt: Norbert Wolf, Umweltbeauftragter der Stadt und Leiter des Schneckenhaus-Teams, sitzt ganz außen am Tisch; Kreisveterinärin Dr. Annette Kern nimmt auf der anderen Seite Platz. Viel weiter auseinander geht es kaum, und die Atmosphäre ist frostig: Einen Handschlag zur Begrüßung gibt es zwischen Kern und Wolf nicht. Die Rollen bei der Sitzung des Umweltausschusses sind klar verteilt: Dr. Annette Kern legt die Forderungen des Kreises und die Rechtsgrundlage dar, ausführlich schildert sie alle Bedenken des Veterinäramtes zur Tierhaltung im Schneckenhaus. Wolf schweigt, er wird an diesem Abend kein einziges Wort sagen. Wenn einer für die Stadt spricht, dann ist es Dezernent Werner Hoffmann.

Zusammen mit Kreisumwelt- und -gesundheitsdezernent Karsten Mankowsky ist er sichtlich bemüht, die Wogen zu glätten. Es ist kein leichtes Unterfangen, ein weiteres Verhärten der Fronten soll merklich vermieden werden. Hoffmann betont, dass sich alle Beteiligten für den Erhalt des Schneckenhauses und die Einhaltung der Vorgaben des Kreises einsetzen. Ein entsprechendes Konzept sei – wie vom Kreis gefordert – erarbeitet worden. Möglicherweise seien Nachjustierungen nötig. "Ich werde alles dafür tun, dass wir am Ende ein Konzept haben, das beide Seiten unterstützen", sagt Hoffmann. Daran habe Norbert Wolf maßgeblich mitgearbeitet.

Das Konzept liegt dem Kreis inzwischen vor. "Unser Interesse ist es, dass das Schneckenhaus seine Arbeit fortsetzen kann", betont Karsten Mankowsky. Man wolle eine "Basis finden, auf der die Einrichtung tierschutzkonform weiterarbeiten kann". Dabei sei man auf einem "guten Weg". Es klingt stark nach weiterem Redebedarf. Die Liste der Auflagen, die das Schneckenhaus erfüllen muss, ist lang: Die Aufnahme von Wildschweinen und Rotwild wird untersagt; bei der Aufnahme von Füchsen muss im Vorfeld von Jagdrevierinhabern beziehungsweise den Jagdberechtigten eine schriftliche Einverständniserklärung sowie ein Betreuungs- und Auswilderungskonzept vorliegen. Auch mit Blick auf die Aufnahme von Hasen, Kaninchen und Igeln gibt es bestimmte Bedingungen, zudem dürfen nur Wildtiere aus dem Rhein-Kreis Neuss und der näheren Umgebung aufgenommen werden.

Der Förderverein "Grünes Klassenzimmer" hat mit einem Schreiben an Bürgermeisterin Ursula Kwasny sowie einer öffentlichen Stellungnahme reagiert. Darin wird die Argumentation des Kreises in einer ganzen Reihe von Punkten angezweifelt – mit deutlichen Worten. "Wir wehren uns gegen Auflagen ohne Rechtsgrund und gegen Schikanen", heißt es in der Stellungnahme. Klaudia Haufs, stellvertretende Vorsitzende des Fördervereins, sieht die Arbeit des Schneckenhauses in Gefahr und fordert eine unabhängige Überprüfung der Aussagen von Dr. Annette Kern.

Einige Zuhörer der Diskussion im Bernardussaal bemängelten, dass Norbert Wolf nicht das Wort erteilt wurde. Von "Maulkorb" war die Rede. Werner Hoffmann ließ gestern mitteilen, dass dies mitnichten der Fall gewesen sei. Norbert Wolf hätte sich jederzeit äußern dürfen.

Der Umweltausschuss nahm die Ausführungen von Kreis und Verwaltung zur Kenntnis. Ausschussvorsitzender Uwe Schmitz (FDP) betonte: "Die Politik wird alles dafür tun, um das Schneckenhaus so zu erhalten, wie es jetzt ist."

(NGZ)