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Grevenbroich: Kreis fordert Tierschutz im Schneckenhaus ein

Grevenbroich : Kreis fordert Tierschutz im Schneckenhaus ein

Der Kreis kritisiert, dass die Umweltstation zu viele Tiere aufnimmt. Er stellt Bedingungen, die nun von der Stadt erfüllt werden müssen.

In dem großen Gehege tummeln sich Stockenten — obwohl das Gelände im Vorjahr ausschließlich für die Pflege von verletzten Wildschweinen gebaut wurde. Doch die dürfen nicht mehr aufgenommen werden, das hat der Rhein-Kreis verboten. "Weil das Risiko zu groß ist", sagt Dr. Anette Kern vom Veterinäramt: "Es besteht die Gefahr, dass Seuchen verschleppt werden — von Tieren, deren Herkunft nicht bekannt ist."

Der Aufnahme-Stopp für Wildschweine ist nicht die einzige Auflage, die der Kreis an die Umweltstation stellt. Er verlangt, dass die Stadt eine ganze Reihe von Bedingungen erfüllen muss, "aus tierschutzrechtlichen Gründen", wie Kern meint. Zwar bescheinigt sie dem Ehrenamtler-Team um Norbert Wolf "eine sehr gute Arbeit" — doch: "Die Mitarbeiter sind etwas über das Ziel hinausgeschossen."

Konkret: Aus Sicht des Veterinäramts seien in der Vergangenheit zu viele Tiere aufgenommen worden. "Das Haus ist damit nicht nur personell, sondern auch platztechnisch an seine Grenzen gestoßen. Eine Überbelegung ist nicht tierschutzgerecht, da kommt es zu gewissen Leiden", meint Kern. Unter dem Strich wünsche sich der Kreis im Schneckenhaus "mehr Qualität als Quantität" — nicht zuletzt auch aus finanziellen Gründen: "Je mehr Wildtiere gepflegt werden, desto höher fallen die Kosten für den Tierarzt oder den Bau von Gehegen und Volieren aus", betont Kern.

Ihr Amt hat der Stadt eine Liste mit Bedingungen vorgelegt, die sie nun abzuarbeiten hat. So muss künftig etwa nachgewiesen werden, welche Tiere wie und wo von wem sachkundig gepflegt und versorgt werden. Auch spezielle Hygiene-Vorschriften müssen eingehalten werden, "zum Schutz von Mensch und Tier", wie es heißt. Bis die Konzepte vorliegen, dürfen zunächst weder Igel noch Feldhasen und Kaninchen angenommen werden. Für Rotwild gilt — wie bei den Wildschweinen — ein generelles Aufnahme-Verbot. Und: Künftig dürfen nur noch Tiere aus dem Nahbereich im Schneckenhaus gepflegt werden.

"Wir werden auf die Vorschläge und Vorgaben des Rhein-Kreises eingehen", sagt der zuständige städtische Beigeordnete Werner Hoffmann: "Unser Ziel ist es, die Station zu erhalten, denn dort wird wertvolle Arbeit geleistet." Am 11. September will er vor dem Umweltausschuss einen Bericht über den Stand der Dinge abgeben.

Bei den Ehrenamtlern des Schneckenhauses herrscht zurzeit alles andere als gute Stimmung: "Wir sind angesäuert", sagt ein Mitarbeiter, der nicht genannt werden möchte: "Jahrelang haben wir leidenschaftlich und erfolgreich Tiere gepflegt oder großgezogen und in die freie Wildbahn ausgesetzt — jetzt müssen wir sie abweisen, das kann nicht sein." Unter den Ehrenamtlern herrscht die Meinung vor, dass die Veterinärin zu hohe Auflagen an das Schneckenhaus stellt: "Als Mitglied des Jagdverbandes hat sie ohnehin eine andere Meinung zum Schutz von Wildtieren."

(NGZ)