Grevenbroich: Kraftwerksreserve seit Herbst ungenutzt

Grevenbroich: Kraftwerksreserve seit Herbst ungenutzt

Im Oktober wurde das Kraftwerk Frimmersdorf abgeschaltet, die beiden letzten Blöcke wechselten in die Sicherheitsbereitschaft. Benötigt wurden sie seitdem aber nicht - in elf Tagen müssten sie komplett hochgefahren sein.

Im Herbst vergangenen Jahres endete in Frimmersdorf eine Ära: Mit den letzten beiden von einst 16 Blöcken ging das Kraftwerk Frimmersdorf - vor Jahrzehnten das größte Braunkohlekraftwerk der Welt - vom Netz. Ganz ausdient haben die beiden 300-Megawatt-Böcke "Paula" und "Quelle" aber noch nicht: Die Energiegewinnungsanlagen wechselten für vier Jahre in die sogenannte Sicherheitsbereitschaft des Bundes - die Kohlereserve. Angefordert wurden die beiden Frimmersdorfer Blöcke seitdem nicht ein einziges Mal.

Wie Guido Steffen, Sprecher bei RWE Power betont, ist die Kraftwerksreserve nicht dafür vorgesehen, kurzfristige Schwankungen in der Stromversorgung auszugleichen. "Sie ist das letzte Glied einer langen Kette von möglichen Maßnahmen." Die Sicherheitsbereitschaft solle dann zum Einsatz kommen, wenn der Übertragungsnetzbetreiber - hier Amprion - oder die Bundesnetzagentur der Ansicht sind, "dass ein längerfristiger Engpass in der Stromversorgung droht", erläutert Steffen.

Das erklärt auch die Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der Grünen im Deutschen Bundestag. Die Sicherheitsbereitschaft, zu der auch das Kraftwerk Buschhaus bei Helmstedt gehört, sei "nur für die Gewährleistung der Systemstabilität und nur als ultima ratio" einzusetzen, "wenn keine anderen Maßnahmen zur Verfügung stehen, um die Extremsituation zu bewältigen". Eine solche "Extremsituation" hat es seit Herbst aber nicht geben, also bleiben "Paula" und "Quelle" weiter in Reserve - und zwar bis zum Jahr 2021 Alle Teile werden in Ordnung gehalten, um bei Bedarf wieder angefahren zu werden.

  • 60 Jahre lang Strom produziert : Braunkohlekraftwerk Frimmersdorf geht in die Reserve

Von heute auf morgen ist das aber nicht möglich. Nach der Anforderung müssen die Kraftwerksblöcke binnen zehn Tagen für den Übertragungsnetzbetreiber wieder verfügbar sein. Nach weiteren elf Stunden muss das Kraftwerk die Mindest-, nach zusätzlichen 13 Stunden die Maximallast erreichen. Elf Tage nach der Anforderung muss das Kraftwerk also wieder zur Stromgewinnung unter Volldampf stehen. Zeit benötigt der Energiekonzern auch, um im Einsatzfall die Mannschaft im Frimmersdorfer Werk aufzustocken. Das Personal wird dafür aus dem benachbarten Neurather Kraftwerk abgezogen.

Für die Bereitstellung der Reserve erhalten die Betreiber eine Vergütung. Laut Bundesregierung haben die Übertragungsnetzbetreiber für die Anlagen in Niedersachsen und im Rheinland im Jahr 2017 insgesamt 85 Millionen, für 2018 149 Millionen Euro vorgesehen. Allerdings stünden diese Zahlen unter Vorbehalt, die Bundesnetzagentur müsse die Vergütung noch festlegen.

Grevenbroichs Grünen-Chef Peter Gehrmann kommentierte das gestern so: "Kraftwerke in der Reserve: Geldverschwendung und so überflüssig wie ein Kropf."

(NGZ)