„Wolkenfabrik“: Kraftwerk bleibt weiterhin abgeschaltet

„Wolkenfabrik“ : Kraftwerk bleibt weiterhin abgeschaltet

Es ist ein ungewohntes Bild: Die Türme des Kraftwerks Frimmersdorf überragen die Stadt, sie sind von weitem sichtbar - doch der Dampf, der sonst hunderte Meter hoch über den Kesseln steht, ist nicht zu sehen. Die "Wolkenfabrik" steht nach wie vor komplett still.

Wie lange, ist noch ungewiss: "Wir arbeiten daran, um das Werk so schnell wie möglich wieder ans Netz zu bringen. Nach vorsichtigen Schätzungen könnte der erste 150-Megawatt-Block in der übernächsten Woche in Betrieb gehen", so Unternehmenssprecher Guido Steffen. Ein Teil der 600 Mitarbeiter wurde vor diesem Hintergrund von der Unternehmensleitung aufgefordert, freie Tage abzufeiern oder vorzeitig in den Urlaub zu gehen.

Nach dem Großbrand in der Zentralwarte haben gestern die Aufräumarbeiten im Kraftwerk Frimmersdorf begonnen. Mitglieder der Werksfeuerwehr pumpten das Löschwasser ab. Unterstützt wurden die Wehrmänner dabei von 30 Einsatzkräften des Technischen Hilfswerks. "Außerdem mussten Rauchgase abgesogen werden, die sich im Keller abgesetzt hatten", erklärt Steffen.

Parallel dazu wurde gestern ein Baugerüst vor der abgebrannten Zentralwarte aufgestellt. Statiker suchten das Mauerwerk nach Schäden ab: "Zurzeit sieht es danach aus, dass das Gebäude erhalten bleiben kann", meint der Unternehmenssprecher. Größere Defekte seien nicht entdeckt worden. Neue Fenster - die alten waren durch die starke Hitzeentwicklung geplatzt oder durch die Arbeiten zerstört worden - wurden bereits geordert.

Nach und nach funktionierten gestern auch die ersten Telefone im Werk wieder, zudem konnten schon einige PC's hochgefahren werden, die interne Infrastruktur kommt langsam in Gang. Die Wasseraufbereitung, die auch das Kraftwerk Neurath versorgt, wird weiterhin über ein Notstromaggregat aufrecht erhalten.

"Das ist zwar ein Provisorium, aber es funktioniert. Mit dieser Maßnahme konnten die Leistungseinschränkungen von Neurath wieder aufgefangen werden", betont Steffen. Provisorisch wurde zudem die Fernwärmeleitung wieder hergestellt, die auch Privathäuser in Gustorf und Frimmersdorf versorgt: "Wir haben einen Brenner besorgt, erzeugen darin Fernwärme mit Hilfe von Heizöl, damit unsere Kunden wieder warmes Wasser haben", erklärt Steffen.

Die Ursache des Feuers ist nach wie vor ungeklärt: "Die Brandsachverständigen haben bei ihren Ermittlungen noch keine Erkenntnisse gewonnen, die Untersuchungen werden fortgesetzt." Die Schadenshöhe dürfte sich zwar im Millionenbereich bewegen, sie konnte gestern aber noch nicht beziffert werden. Wie Guido Steffen betonte, hängt diese Summe letztendlich auch davon ab, wie schnell das 2 400-Megawatt-Kraftwerk wieder am Netz ist. Solange der Betrieb still liegt, muss RWE Power den "ausgefallenen Strom" hinzukaufen.

(NGZ)
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