Grevenbroich: Kostenlose Busse sind der Stadt zu teuer

Grevenbroich: Kostenlose Busse sind der Stadt zu teuer

Die UWG macht sich für einen kostenlosen Busverkehr stark. Doch die Stadt winkt ab: Sie kann sich ein solches Projekt nicht leisten. Dennoch ist das Thema nicht ganz vom Tisch: Ab Februar wird es beim "Energy Award" diskutiert.

Gratis Busfahren — das wird es in Grevenbroich vorerst nicht geben. Denn die Verwaltung sieht derzeit kaum eine Möglichkeit, einen Vorschlag der UWG-Fraktion realisieren zu können. "Vor allem Kostengründe sprechen dagegen", sagt der Technische Beigeordnete Werner Hoffmann. Dennoch ist das Thema nicht ganz vom Tisch: Es wurde an die Grevenbroicher Projektgruppe zum "European Energy Award" verwiesen, die im Februar zum ersten Mal tagen wird.

Die UWG hatte die Stadt dazu aufgefordert, die Möglichkeit eines Personennahverkehrs zum Nulltarif zu überprüfen — zunächst im Rahmen eines Tests bei den vier verkaufsoffenen Sonntagen. Als Beispiel nannte Fraktionschefin Martina Flick die belgische Stadt Hasselt: "Dort wurde das Projekt erfolgreich eingeführt. 2000 neue Arbeitsplätze wurden geschaffen, die Kaufkraft in der Innenstadt wurde gestärkt", argumentierte sie.

In Grevenbroich dürfte ein solches Projekt jedoch schon im Keim ersticken — denn: "Für Fahrten zum Nulltarif müssten wir einen Ausgleich an den Verkehrsverbund zahlen. Alleine bei vier verkaufsoffenen Sonntagen würde dies einen Betrag von 12 000 Euro ausmachen", erklärt Werner Hoffmann. Und das sei zu viel für die unter Nothaushaltsrecht stehende Stadt, die sich freiwillige Leistungen wie diese ohnehin nicht erlauben dürfe.

"Verkehrsexperten in Deutschland und der Schweiz sehen einen Nulltarif nicht als Patentrezept an. Der alternative Verkehrsclub VCD in Bonn hält ihn allenfalls in Ferienorten für sinnvoll", sagt Hoffmann. Versuche in Bologna und Liechtenstein hätten darüber hinaus gezeigt, dass ein Gratis-Nahverkehr nicht lange gut gehe: "Großstädte häufen so gewaltige Defizite ein."

  • Voerde : Busverkehr nervt Anwohner in Friedrichsfeld

Dass der Nahverkehr auch ohne Gratis-Fahrten beliebter werden kann, habe Hüsler bei Lemgo gezeigt. "Die westfälische Stadt hat nach ihren Ideen den Busverkehr umstrukturiert, vor allem mehr Linien und eine billige Jahreskarte eingeführt. Dazu kam eine aufwendige Image-Kampagne", schildert Hoffmann. Das Ergebnis: Die Fahrgastzahl sei von 40 000 pro Jahr auf mehr als zwei Millionen gestiegen.

"Jede Stadt sollte eine individuelle Lösung erarbeiten, da der Nahverkehr von vielen unterschiedlichen Faktoren abhängt", betont der Technische Beigeordnete. Er schlägt vor, die Möglichkeiten zum Ausbau des Personennah- und Fahrradverkehrs im Rahmen des "European Energy Awards" weiter zu untersuchen. Der Förderantrag für das Grevenbroicher Projekt sei soeben bewilligt worden, damit könne sich die Gruppe aus Experten erstmals im Februar treffen. Sie wird unterstützt von einem externen Berater, der vom Land finanziert wird. "Ziel ist es, den Kohlendioxid-Ausstoß in unserer Stadt zu reduzieren. Dazu passt das Thema Nahverkehr", meint Werner Hoffmann.

Für die UWG hatte der Südstädter Claus Schäfer als Sachkundiger Bürger die Idee vom kostenlosen Nahverkehr in die Gremien gebracht. "Tatsächlich ist der Nulltarif kein Patentrezept", meint er: "Aber er ist in mehreren Mittelzentren, auch in Frankreich, sehr erfolgreich und er rechnet sich langfristig über die Steuereinnahmen." Für die nötige Anschubfinanzierung gebe es mehrere Fördertöpfe für ÖPNV-Projekte, etwa bei der Europäischen Union, gibt Claus Schäfer zu bedenken. Er appelliert vor diesem Hintergrund: "Die Stadt Grevenbroich muss sich bemühen, solche Zuschüsse zu erhalten."

(NGZ/rl)
Mehr von RP ONLINE