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Grevenbroich: Korruptionsverdacht: Ratsherr tritt zurück

Grevenbroich : Korruptionsverdacht: Ratsherr tritt zurück

Im Zusammenhang mit dem Bau des Rewe-Markts wurden Korruptionsvorwürfe gegen Willi Reisepatt erhoben. Der CDU-Politiker ist jetzt von seinen politischen Ämtern zurückgetreten – auf Drängen der Staatsanwaltschaft.

Im Zusammenhang mit dem Bau des Rewe-Markts wurden Korruptionsvorwürfe gegen Willi Reisepatt erhoben. Der CDU-Politiker ist jetzt von seinen politischen Ämtern zurückgetreten — auf Drängen der Staatsanwaltschaft.

Die Staatsanwaltschaft Mönchengladbach ermittelte bereits seit geraumer Zeit gegen den Politiker. Der Vorwurf: Korruption. Willi Reisepatt soll den Planern des neuen Rewe-Supermarkts im Kapellener Neubaugebiet ein unlauteres Angebot gemacht haben. Angeblich verlangte er eine Summe zwischen 100 000 und 200 000 Euro und soll gedroht haben, den Bau zu verzögern, falls kein Geld fließe.

Nach den Vorwürfen, die der Korschenbroicher Architekt Fritz Otten im Herbst 2009 erhoben hatte, schaltete Bürgermeisterin Ursula Kwasny die Staatsanwaltschaft ein. Etliche Zeugen wurden in der Vergangenheit gehört, unter anderem auch der Planungsausschuss.

Wie Oberstaatsanwalt Peter Aldenhoff gestern auf Anfrage der NGZ erklärte, wird es nicht zur Anklage kommen. Das Verfahren gegen den CDU-Mann werde eingestellt, sobald er eine Geldbuße "in einem hohen vierstelligen Bereich" zahle. Entscheidend für die Ermittler: "Unsere Voraussetzung für eine Verfahrenseinstellung war, dass Willi Reisepatt von sämtlichen politischen Ämtern zurücktritt", so der Oberstaatsanwalt.

Dies ist mittlerweile geschehen, betonte Bürgermeisterin Ursula Kwasny gegenüber der NGZ. Reisepatt habe ihr schriftlich mitgeteilt, dass er sein Ratsmandat niederlege — und damit auch seine Tätigkeit im Haupt-, Bau- und Planungsausschuss, im Arbeitskreis Denkmalschutz sowie im Aufsichtsrat der Stadtentwicklungs-Gesellschaft.

Der Antrag auf Einstellung des Verfahrens sei ursprünglich von Willi Reisepatt gekommen, sagt Eckhard Voßiek, der Rechtsanwalt des Politikers: "Weil unserer Ansicht nach der Vorwurf der Abgeordnetenbestechlichkeit nicht bestätigt wurde." Die Staatsanwaltschaft Mönchengladbach sei diesem Antrag gefolgt — mit den entsprechenden Auflagen.

Willi Reisepatt wollte sich gestern nicht äußern. Voßiek behauptet jedoch, dass der 72 Jahre alte Politiker ohnehin vorhatte, aus Altersgründen sein Mandat niederzulegen. Reisepatt gehörte seit 1975 dem Grevenbroicher Rat an und war Vorstandsmitglied der CDU-Fraktion.

Deren Vorsitzender Norbert Gand wollte sich gestern zum Verfahren nicht äußern — nur so viel: "Wir haben darauf gedrängt, dass der Vorgang aufgeklärt wird. Wenn die Staatsanwaltschaft zum Ergebnis kommt, dass das Verfahren eingestellt werden soll, ist das sicherlich korrekt und in Ordnung so." Auch Maria Becker, Vorsitzende des CDU-Ortsverbandes Kapellen, möchte den Fall nicht kommentieren. Sie bedauere jedoch, dass die Union mit Reisepatt einen "sehr guten Fachmann" verliere. Die Nachfolge ist geregelt: Am 22. September wird Sabrina Kram den Platz des Kapelleners im Ratssaal einnehmen.

(NGZ/rl)