Kontroverse Debatte um L361n-Bau in Grevenbroich

Streit um Umgehungsstraße in Grevenbroich : Initiative fordert Prüfung der Westtangente

Der Rhein-Kreis und Politiker wollen den Bau der Ortsumgehung für Kapellen vorantreiben. Das Aktionsbündnis „Nein zur L 361n“ fordert, bei den jetzt anstehenden Planungsschritten auch die alternative Westtangente zu prüfen.

Die Realisierung der Ortsumfahrung L 361n für Kapellen und Wevelinghoven rückt näher – der Landesbetrieb Straßen NRW hat die Planungsvereinbarung mit dem Rhein-Kreis Neuss unterzeichnet, der federführend die weitere Planung begleitet, weil beim Landesbetrieb Planungskapazitäten fehlen. „Wir erwarten in Kürze auch das Papier mit der Unterschrift des Kreises“, erklärt Christoph Jansen, Leiter der Straßen-NRW-Niederlassung in Mönchengladbach.

Nach jahrelangem Stillstand geht es voran, doch das Aktionsbündnis „Nein zur L 361n“ sieht das Projekt auf dem falschen Weg. Anfang August hatte die Initiative, wie sie erklärt, sich in einem offenen Brief an Landesministerien, Landrat, Bürgermeister und Fraktionen gewandt. „Wir haben um eine Erklärung gebeten, warum es seitens der Politik zu einer einseitigen Festlegung auf die von uns abgelehnte L 361n gekommen ist und die alternative Westtangente noch nicht einmal geprüft wurde“, heißt es in einer Erklärung des Bündnisses. Auf das Schreiben habe lediglich Landrat Hans-Jürgen Petrauschke geantwortet, der laut Bündnis „jegliche Verantwortung für die Trassenführung von sich schob und diese Straßen.NRW zuschrieb“.

Die Ortsumfahrung soll S-förmig am östlichen Rand von Kapellen und Wevelinghoven vorbei zur L142 führen. „Diese Trasse führt durch Landschaftsschutzgebiet und nahe dem Naturschutzgebiet ,Schwarze Brücke’ vorbei – eines der wenigen Naherholungsgebiete bei uns“, sagt Janine Heinze, die eine Facebook-Gruppe gegen die L 361n initiiert hat. In einer Online-Petition hätten sich knapp 1500 Menschen, mehr als zwei Drittel davon aus dem Kreis, gegen diese Trasse ausgesprochen. Vom Bündnis favorisiert wird eine alternative Trasse. Dafür würde die Straße Auf den hundert Morgen verlängert, die Straße würde über eine Schleife an der Noithausen vorbei in die K 10 münden. „Diese Variante ist günstiger zu realisieren, würde weniger Anwohner belasten und kein wertvolles Gebiet zerstören“, wirbt Heinze. Straßen NRW habe selbst 2001 diese Trasse vorgeschlagen. Doch das Bündnis erklärt, das es von der Politik ignoriert werde.

Das sieht CDU-Fraktionsvorsitzender Wolfgang Kaiser ganz anders. „Bei uns ist kein Schreiben eingegangen, die Gruppe ist auch nicht auf meinen Vertreter André Dresen oder mich zugegangen“, sagt er. Wohl habe das Bündnis mit Heike Troles gesprochen, „aber in ihrer Funktion als Landtagsabgeordnete“, sagt Kaiser. Troles hat sich für einen schnelle Realisierung der Umfahrung stark gemacht. „Die CDU-Fraktion hat am Montag nochmals bekräftigt, dass sie die aktuelle Variante befürwortet“, sagt Kaiser. Eine Prüfung von Alternativen ist zudem bei den anstehenden Planungsschritten nicht vorgesehen. „Wir steigen nicht in eine neue Variantenuntersuchung ein“, erklärt Christoph Jansen von Straßen NRW. „Das Linienbestimmungsverfahren ist vor Jahren gelaufen.“ Die jetzt favorisierte Variante habe sich dabei als die beste herausgestellt. „Wir als SPD befürworten den Plan, weil er eine massive Entlastung bedeutet“, sagt Daniel Rinkert. Ob und wann die Straße gebaut würde, sei nicht mehr Angelegenheit der Stadt, sondern in der Verantwortlichkeit des Landes. Nun stehen eine ökologische sowie Verkehrsuntersuchung an, würden veraltete Daten aktualisiert. „Sollten sich bei der Planung unüberbrückbare Probleme ergeben, müssen wir neu überlegen“, sagt Jansen.

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