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Kommentar: Verkehr in Grevenbroich - eine Entlastung muss her

Thema der Woche : Eine Entlastung muss her – und zwar kurzfristig

Die aktuelle Diskussion um die L 361n hat die Bürger gespalten wie nie zuvor. Dabei wollen alle im Grunde das gleiche: eine schnelle Entlastung.

Wer durch den Wildpark im Bend spaziert, hört und sieht sie, die vielen Autos und Lastwagen, die über die A 540 mitten durch das Naherholungsgebiet brettern. Das wirkt heutzutage ein wenig befremdlich. In den 70er Jahren, als die Autobahn gebaut wurde, sah man das wohl noch anders, da wurden solche Straßen noch genehmigt. Aber jetzt, wo alles über Klima- und Naturschutz spricht?

Diese Frage stellt sich auch beim Projekt L 361n, das künftig die Erftaue zwischen Wevelinghoven und Kapellen tangieren soll. Wer von einem Bau in den nächsten drei, vier Jahren ausgeht, dürfte wohl ein wenig zu optimistisch in die Zukunft blicken. Denn eines dürfte klar sein: Die Gegner der Trasse stehen in den Startlöchern und werden gegen das Vorhaben klagen – an erster Stelle der Bund für Umwelt und Naturschutz, der ganz sicher den Pirol ins Feld führen wird. Der seltene und scheue Vogel hat in der Erftaue ein Rückzugsgebiet gefunden – und er dürfte in der Lage sein, das Vorhaben nicht nur zu verzögern, sondern sogar zu verhindern.

Die seit Jahrzehnten geplante Landstraße hat die Bevölkerung aktuell wie nie zuvor gespalten, der Ton ist rauer geworden, die Fronten sind verhärtet. Dabei wollen Gegner und Befürworter der L 361n im Grunde genommen doch nur eines: eine möglichst schnelle Verkehrsentlastung. Die wird aber keine der nun vorliegenden drei Varianten in absehbarer Zeit herbeiführen. Auch die Nord-West-Tangente nicht, die Bürgermeister Klaus Krützen jüngst in die Diskussion eingebracht hat. Deren Planung ist schließlich noch nicht in Gang gebracht worden.

Es gibt eine ganze Reihe von Ideen, die zu weniger Verkehr auf den Ortsdurchfahrten führen könnten. Etwa Tempo 30 auf der Tal- und Neusser Straße. Oder ein Lkw-Durchfahrtsverbot in Kapellen und Wevelinghoven. Diese und andere Vorschläge wurden in den vergangenen Monaten immer wieder diskutiert und an die zuständigen Stellen weitergeleitet. Doch der Landesbetrieb Straßen.NRW lenkt nicht ein, er sperrt sich gegen die Anregungen aus Grevenbroich. Bürgermeister Krützen spricht hier schon von einer Blockadehaltung.

Das legt die Vermutung nahe, dass sich der Straßenbaubetrieb schon zu sehr auf die L 361n festgelegt hat, so dass er selbst kurzfristigen Lösungen keine Chance gibt. Aufgabe der Politik sollte es daher 2020 sein, dicke Bretter beim Land zu bohren. Denn die Betroffenen wollen jetzt eine Entlastung – und nicht auf eine Straße warten, die irgendwann einmal kommen soll. Oder auch nicht.