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Kolumne aus Kloster Langwaden: Von „Digitalmuffeln“ und „Präsenzfans“

Kolumne aus dem Kloster Langwaden : Über „Digitalmuffel“ und „Präsenzfans“

In Pandemie-Zeiten nehmen viele an digitalen Meetings teil. Für Bruno Robeck aus dem Kloster Langwaden war das eine Umgewöhnung. Er findet: Digitale können persönliche Treffen nur bedingt ersetzen.

Die Pandemiezeit hat einen Digitalisierungsschub gebracht, aber auch gezeigt, wie schwach Deutschland in diesem Bereich aufgestellt ist. Auf jeden Fall hat die Pandemie dazu geführt, dass sich auch Digitalmuffel mit der neuen Technologie auseinandersetzen mussten. Vor der Pandemie habe ich mich eher als digitales Fossil gefühlt und fand diesen Zustand auch durchaus berechtigt. Wo einige schon gerne per Skype kommunizierten, griff ich lieber zum Telefon und bevorzugte die persönliche Begegnung. Als die großen Kontaktbeschränkungen des Coronaschutzkonzepts uns in die eigenen vier Wände verbannten, war ich gezwungen, mich auf neue Gesprächsformen einzulassen. Der Vorstand der Deutschen Ordensobernkonferenz, dem ich angehöre, tagte nur einmal als Telefonkonferenz. Danach gingen wir zur Videokonferenz über. Auch andere Tagungen benutzten dieses Medium.

Mit der Zeit lernte ich die Vorzüge der digitalen Treffen kennen. Ich war dankbar, dass wenigstens auf diese Weise ein Austausch über wichtige Fragen möglich war. Ich halte es jedoch für etwas naiv zu glauben, dass Videokonferenzen generell einfacher durchzuführen und kostengünstiger sind als Präsenztreffen. Die Kosten sind im digitalen Format eher versteckt. Es ist ein hoher technischer, energetischer und logistischer Aufwand im Hintergrund nötig, wenn 100 oder 200 Menschen gleichzeitig an einer Videokonferenz teilnehmen. Ob in Präsenz oder vor dem Bildschirm – Kosten entstehen immer.

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Es ist schön, dass jetzt wieder Präsenztreffen möglich sind. Denn nicht nur das gemeinsame Diskutieren, das auch im digitalen Raum funktioniert, ist wichtig, sondern ebenso das Zusammenstehen in der Kaffeepause, das manchmal zu erstaunlichen Erkenntnissen führt.

Mittlerweile halte ich das Abwechseln von Digital- und Präsenztreffen für ein ideales Modell. Um lange Anreisen zu sparen, kann man per Videochat Informationen austauschen und kleinere Fragen klären. Für große Themen und zur Gemeinschaftsstärkung trifft man sich vor Ort. Auch wenn ich mich vom Digitalmuffel zum einsichtigen und eifrigen Videokonferenz-Nutzer gemausert habe, verspüre ich kein Verlangen, mich auf Facebook, Instagram oder Whatsapp zu tummeln. Daher habe ich den siebenstündigen Totalausfall dieser drei Internetdienste gar nicht mitbekommen.

Als Katastrophe empfand ich, was wenig später die beiden ehemaligen Mitarbeiterinnen von Facebook, Francis Haugen und Sophie Zhang, über die Geschäftspraktiken des Internetkonzerns erzählten: die bewusste Programmierung von Logarithmen, die Hass- und Hetztiraden schnell und flächendeckend verbreiten, um aus der großen Aufmerksamkeit solcher Nachrichten möglichst viel Gewinn zu generieren. Nicht die Computerprogramme sind böse, sondern die Menschen, die sie erstellen.

Darum sollten wir uns die Personen und ihre Beweggründe ansehen und vorsichtig bleiben. Die Entwicklung verschiedener Internetdienste hat jedoch auch viel Positives gebracht. Besonders in der Pandemie haben sie uns geholfen, in Kontakt zu bleiben. Vielen Menschen, die in Diktaturen leben, helfen die Internetdienste zur freien Meinungsäußerung. Und trotzdem haben sie ihre dunklen Seiten. Es bleibt wichtig, dass wir die Welt mit unseren eigenen Augen anschauen und von Angesicht zu Angesicht sprechen.
P. BRUNO ROBECK OCIST