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Kolumne aus dem Kloster Langwaden: Wann es richtig ist, Grenzen zu bewahren

Kolumne aus dem Kloster Langwaden : Wann es richtig ist, Grenzen zu bewahren

Prior Bruno Robeck aus dem Kloster Langwaden beschäftigt sich in seiner Kolumne mit Inzidenzen und Grenzwerten, die daran geknüpft sind. Und er erklärt, dass es wichtig ist, den eigenen Blick zu „entgrenzen“.

Der Pfingstmontag als erster Öffnungstag der Außengastronomie ist schon fast vergessen. Wie oft ging vor Pfingsten der bange Blick auf die aktuelle Sieben-Tage-Inzidenzzahl, bis es am 24. Mai endlich soweit war. Ein schönes Pfingstgeschenk, dass die Inzidenz stabil unter dem Grenzwert von 100 lag – wenn auch noch relativ knapp. Die Außentemperatur lag jedoch deutlich unter dem Wert von 20 Grad Celsius, an dem man sich gern draußen aufhält.

 Prior Bruno Robeck aus dem Zisterzienser-Kloster Langwaden.
Prior Bruno Robeck aus dem Zisterzienser-Kloster Langwaden. Foto: Melanie Zanin

Ostdeutschland war am Pfingstwochenende vielfach das Corona- und Wetterspiegelbild zu Westdeutschland. Das Wetter war dort zwar schön, aber die Corona-Grenzwertstabilität oft noch nicht erreicht. In Ostdeutschland konnte man an die frische Luft, saß dann aber auf dem Trockenen. In Westdeutschland war es kühl und feucht, so dass man sich lieber in die eigene warme Stube setzte.

Jetzt freuen sich alle, dass die Temperaturen steigen und die Inzidenzwerte weiter sinken. Ein unbeschwerteres Leben kommt in Sicht. Doch die Grundsatzfrage bleibt bestehen: Können Grenzen einen Wert darstellen? Eine freiheitsliebende Gesellschaft wird solch eine Frage nicht gerne bejahen.

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Meine Erfahrung ist, dass es in manchen Fällen gute Gründe gibt, Grenzen festzulegen. Grenzen können vor Fehlern und Schaden bewahren. Unsere Mönchsregel mahnt in diesen Zusammenhang: „Es gibt Wege, die den Menschen richtig scheinen, die aber am Ende in die Tiefe der Hölle hinabführen“. Es kann hilfreich sein, wenn ich mich auf die Vorgaben anderer verlasse und von deren Weitsicht und Erfahrungswissen profitiere.

Die Corona-Grenzwerte wollen schützen, indem sie verhindern, dass wir leichtsinnig und unaufmerksam werden. Dabei können sich die Einschätzung der Gefährdungslage und die Grenzwerthöhe im Laufe der Zeit verändern. Zu Beginn der Pandemie lagen die Grenzwerte bei 50 und 20. Später gab es Lockerungen schon ab 100. Die veränderten Umstände, aber auch die neu gewonnenen Erkenntnisse mit dem Coronavirus haben zu diesen Neubewertungen beigetragen.

Der Grenzwert für Schulöffnungen ab 165 weist auf einen anderen Aspekt hin. Neben dem rein virologischen Infektionswert müssen auch andere Grenzwerte berücksichtigt werden. Vor allem Kinder und Eltern sind in dieser Pandemiezeit an ihre Belastungsgrenze gelangt und mussten dringend entlastet werden. Der Wert von 165 war ein Komprisswert, der sich als bundesdeutscher Inzidenzdurchschnittswert jenes Tages ergab. Die 165 liegt deutlich über dem allgemeinen Grenzwert 100, hatte aber in ihrer konkreten Höhe vor allem symbolischen Charakter: Alle sollten sich berücksichtigt und mitgenommen fühlen.

Aus all dem kann man sehen, dass bei der Festlegung von Grenzwerten viele verschiedene Umstände zu berücksichtigen sind. Wenn Grenzwerte gut durchdacht und verantwortungsvoll gesetzt sind, bewahren sie uns. Darum sollten wir sie auch bewahren.

Eine Grenze dürfen wir nie aufgeben. Aus Respekt vor den Mitmenschen sowie aus Liebe zur Freiheit sollten wir uns von allen abgrenzen, die ohne Rücksicht auf andere schrankenlose Freiheit für sich selbst einfordern. Andererseits sollten wir unseren Blick „entgrenzen“ auf Menschen vor allem in armen Ländern, denen es oft am Notwendigsten zum Leben mangelt. P. BRUNO ROBECK OCIST