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Grevenbroich: Kloster nimmt erste Novizin seit 27 Jahren auf

Grevenbroich : Kloster nimmt erste Novizin seit 27 Jahren auf

Im Kloster Immaculata ist mit Schwester Maria Mirjam eine Novizin aufgenommen worden. Die 35-Jährige wuchs in Wevelinghoven auf.

Es ist eine Entscheidung, die beeindruckt, eine, die nicht leicht fällt in einer säkulären Zeit wie der unseren. Den Weg mit Gott zu gehen, ihn in der Gemeinschaft der Neusser Augustinerinnen im Kloster Immaculata zu erfahren — "ja, ich bin bereit dazu", sagt Schwester Maria Mirjam. Am Wochenende ist die 35 Jahre alte Wevelinghovenerin im Kloster als Novizin eingekleidet worden, seitdem trägt sie auch ihren Ordensnamen. Zwei Jahre dauert nun das Noviziat, das auf das ewige Gelübde vorbereitet. Sie ist für das Kloster die erste Novizin seit 27 Jahren.

Generaloberin Schwester Praxedis (.li.) bei der Einkleidung von Schwester Mirjam, die als Zeichen des Niviziats den weißen Schleier trägt. Foto: Woi/Jazyk (Archiv)

Der Kirche und auch dem Kloster Immaculata ist die junge Frau schon lange verbunden. Aufgewachsen in Wevelinghoven, kam sie als 16-Jährige über einen Jugendkreis des Neusser Klosters in Kontakt mit den Nonnen. Als Meike Wimmer, so ihr bürgerlicher Name, lernte die Schülerin damals auch Generaloberin Schwester Praxedis kennen. "Sie ist langsam hineingewachsen in den Wunsch, zu uns zu kommen", sagt Schwester Praxedis heute. Wichtig war der Generaloberin stets, zu nichts zu drängen, sondern ihren Zögling den für ihn richtigen Weg mit Gottes Hilfe finden zu lassen.

"Eine gewisse Sehnsucht habe ich schon immer verspürt", sagt Schwester Mirjam rückblickend. Doch zunächst stand ihre Ausbildung im Vordergrund. Nach dem Abitur studierte die gläubige Katholikin Sozialpädagogik, blickt heute auf zehn Jahre Berufserfahrung zurück. Unter anderem leitete sie den Offenen Ganztag an einer Grevenbroicher Grundschule.

Doch immer wieder zog es Meike Wimmer ins Kloster, dort verbrachte sie Wochenenden, Urlaube, feierte Hochfeste. Unter anderem war sie der benediktinischen Abtei Münsterschwarzach verbunden, wenn sie auch für sich ausgeschlossen hatte, selbst Benediktinerin zu werden — zu sehr erschien der Sozialpädagogin das Leben dort als eingeschränkt, als zu fixiert auf Liturgie und Gotteslob. "Mir war bereits klar, dass mir dort der caritative Aspekt fehlt", sagt Schwester Mirjam.

Dennoch fühlte sie sich den Benediktinern nahe, verbrachte im Priorat St. Benedikt die Ostertage im Jahr 2011, nicht ahnend, welch einschneidendes Erlebnis dort auf sie warten würde. "Gott hat mich geleitet", sagt Schwester Mirjam, wenn sie an die damaligen Stunden zurückdenkt. An den einen Abend, als Freunde sie bitten, doch noch etwas zu verweilen. Wie sie später in ihrem Zimmer ein lautes Krachen hört, das sie dazu bewegt, nach dem Rechten zu sehen. Und plötzlich klar ist, dass es im Raum nebenan brennt. Meike Wimmer sieht den Schein der Flammen unter der Tür, löst den Notruf aus, holt Hilfe, verhindert, dass der Brand sich ausweitet. Später wird klar, dass das Feuer von einem Gast gelegt wurde, der sich selbst töten wollte.

Das Erlebnis prägte Meike Wimmer, stärkte ihren Glauben daran, dass Gott sie geführt hat, sie zur rechten Zeit zum rechten Ort brachte, um zu helfen. Und er brachte sie dazu, sich neu zu orientieren, ihren Job zu kündigen, um auf dem Jakobsweg zu pilgern. "Danach haben mir die Augustinerinnen die Hand gereicht", erzählt Schwester Mirjam, die nun seit knapp einem Jahr im Kloster Immaculata lebt. Angekommen sei sie dort, erzählt die Novizin, die doch eine Suchende bleibt. "Denn Glauben ist für mich eine stete Auseinandersetzung mit Gott, ein Hinterfragen und Lernen", findet Schwester Mirjam.

(NGZ/ac)