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Grevenbroich: Kliniken senken Infektionsrisiko

Grevenbroich : Kliniken senken Infektionsrisiko

Nach dem neuen Bundeshygienegesetz müssen die Kliniken mehr tun, um Infektionen abzuwehren. So sollen Patienten gescreent werden. Vorbild sind die Niederlande, wo die Infektzahl um eine Zehnerpotenz niedriger ist.

Top oder Flop: Wie sieht es mit der Hygiene im Kreiskrankenhaus Dormagen und in den anderen medizinischen Einrichtungen im Rhein-Kreis Neuss aus? Nicht wegen der aktuellen Gefährdung durch EHEC, durch den "Krankenhauskeim" MRSA oder Noro-Viren war dies ein Thema in der gestrigen Sitzung des Krankenhausausschusses, sondern "wegen einer Anfrage aus dem Ausschuss", wie Dr. Michael Dörr vom Kreisgesundheitsamt erklärt. Der Mediziner stellte die Veränderungen dar, die durch das jetzt im Bundestag verabschiedete neue Bundes-Hygienegesetz kommen. Zudem präsentierte er die positiven Effekte durch das Euregio-Netzwerk.

Etwa 600 000 Mal heißt pro Jahr in Deutschland die Diagnose "MRSA" — für 40 000 Menschen eine tödliche Diagnose. Deshalb, so erläuterte Dr. Dörr gestern vor den Mitgliedern des Krankenhausausschusses, soll das neue Hygienegesetz die Ausbreitung von Infektionen verhindern helfen. Für die Krankenhäuser bringe es "weitreichende Veränderungen" mit sich: Sie müssen in Zukunft nicht nur Infektionen melden, sondern auch Präventivmaßnahmen entwickeln. Zudem sollen Patienten, die im Krankenhaus behandelt werden, künftig zuvor mit einem Screening auf Keimbefall untersucht werden. Bei einem positiven Ergebnis müssten sie isoliert werden.

Die Konsequenzen für das St.-Elisabeth-Kreiskrankenhaus in Grevenbroich zeigt Ärztlicher Direktor Dr. Friedrich Korsten auf: "Vor zehn bis 15 Jahren wurden die Infektionsstationen geschlossen. Ich bin sicher, dass sie bald wieder eingerichtet werden." Wenn künftig Patienten vor dem Krankenhaus-Aufenthalt per Screening untersucht würden, müssten sie bei Keimbefall auch isoliert behandelt werden — das sei zum einen schwierig zu vermitteln bei den Patienten und ihren Angehörigen. Zum anderen entstehe dadurch auch ein strukturelles Problem: "Bei der heutigen Bauweise vieler Krankenhäuser wird das schwierig", so Korsten.

Nach Angaben von Dr. Dörr liege die Zahl der Infektionen in niederländischen Kliniken bei zwei Prozent — in Deutschland aber bei 20 Prozent. "Hier können wir von unseren Nachbarn lernen", ist der Mediziner überzeugt. Denn die Ursachen für den markanten Unterschied seien bisher unbekannt.

Eine Plattform für Kooperation ist das 2009 gegründete Euregio-Netzwerk für die Rhein-Maas-Region. Dort arbeitet der Rhein-Kreis Neuss mit den Kreisen Viersen und Kleve, den Städten Mönchengladbach und Kerpen sowie der niederländischen Provinz Limburg zusammen. Seit Herbst hat der Rhein-Kreis als "Work-package-leader" die Führung übernommen.

(NGZ)