1. NRW
  2. Städte
  3. Grevenbroich

Grevenbroich: Klinik klärt über Infektionsschutz auf

Grevenbroich : Klinik klärt über Infektionsschutz auf

Im Kreiskrankenhaus Grevenbroich drehte sich gestern beim "Tag der Hände" alles um das Thema Händedesinfektion. Die Kampagne ist eingebunden in eine Aktion des Bundesgesundheitsministeriums und der WHO.

Die Hände kurz unters Wasser halten, einseifen, abwaschen, schon ist alles sauber — könnte man meinen, doch weit gefehlt. Wie Hände wirklich hygienisch rein werden, darüber konnten sich Mitarbeiter, Besucher und Patienten des Kreiskrankenhauses Grevenbroich gestern den ganzen Tag informieren. Die Aktion "Tag der sauberen Hände" findet in St. Elisabeth und im Kreiskrankenhaus Dormagen einmal jährlich statt.

"80 bis 90 Prozent der vermeidbaren Infektionsübertragungen im Krankenhaus finden über die Hände statt", sagt Martin Groth von Hygienemanagement Solutions, der als externer Berater die Aktion "Tag der sauberen Hände" unterstützt. Jährlich gibt es in Deutschland etwa 500 000 Fälle von Krankenhausinfektionen (sogenannte nosokomiale Infektionen), europaweit rund drei Millionen. Diese führen nicht nur zu zusätzlichem und unnötigem Leid für Patienten, sondern auch zu längeren Liegezeiten und immensen zusätzlichen Kosten für das Gesundheitswesen.

In Europa sterben laut Expertenschätzungen rund 37 000 Menschen jährlich an den nosokomialen Infektionen. Es sei daher wichtig, immer wieder das Bewusstsein für die Bedeutung der richtigen Händehygiene zu schärfen, betont Groth. "Es ist wie so oft im Leben, alle wissen zwar, dass Hygiene das A und O ist, es besteht aber immer die Gefahr, ,betriebsblind' zu werden und vielleicht doch wichtige Feinheiten bei der Desinfektion zu vergessen."

Um das zu vermeiden, waren die Besucher der Aktion eingeladen, selbst auszutesten, wie sie es mit der eigenen Händehygiene halten. "Na, dann benutzen Sie mal das Desinfektionsmittel", forderte Ulrich Kappke von Ecolab, einem Unternehmen, das sich auf Hygienelösungen spezialisiert hat, die Teilnehmer auf. Anschließend wurde der Erfolg — oder Misserfolg — durch die "Black Box" enthüllt. Schwarzlicht zeigte, welche Stellen beim Desinfizieren vergessen wurden. "Es sind oft die gleichen Stellen, die vernachlässigt werden, an den Fingerkuppen oder im Bereich zwischen Daumen und Zeigefinger", so Kappke.

Abhilfe schafft ein interaktives Trainingssystem, dem sich die Besucher ebenfalls stellen konnten. Auf einem Monitor werden die einzelnen Schritte der Desinfektion gezeigt, die Besucher sollen sie möglichst exakt nachmachen — am Ende der Übung erfuhren sie, ob sie den Hygiene-Test bestanden haben.

"Wenn man es richtig macht, reichen 30 Sekunden und die Hände sind wirklich sauber", sagt Martin Groth. Wie oft sich Ärzte, Krankenschwestern und Pfleger gründlich die Hände reinigen sollten, um die Verbreitung von Krankenhauskeimen zu vermeiden, hängt von ihrem Kontakt mit den Patienten ab. Eine Desinfektion ist zum Beispiel unerlässlich vor und nach einem Hautkontakt mit den Patienten. "Geschieht das nicht, so sollten Patienten oder Angehörige die Mitarbeiter auch unbedingt darauf ansprechen", rät Groth.

(suzo)