Klimaschutz in Grevenbroich: Begrünte Wartehallen sind der Stadt zu teuer

Insekten- und Klimaschutz in Grevenbroich : Begrünte Wartehallen sind der Stadt zu teuer

Vorhandene Dächer lassen sich auch wegen der Statik nicht begrünen. Die Stadt investiert aber dennoch in Haltestellen – für die Barrierefreiheit.

Die Idee ist pfiffig und scheinbar einfach zu realisieren. Wartehallendächer an Bushaltestellen, die nicht nur Fahrgäste vor Regen schützen, sondern mit einer begrünten Oberfläche Insekten Nahrung bieten und gut für den Klimaschutz sind. Die niederländische Stadt Utrecht macht es vor und hat 316 Bushaltestellen in kleine Insektenparadiese verwandelt. Die Stadt Neuss prüft die Begrünung von Wartehallen im Rahmen ihres Klimaschutzkonzeptes. In Grevenbroich lässt sich das Grün auf dem Haltestellendach aber nicht verwirklichen – zumindest vorerst nicht. Darüber informiert die Verwaltung den Rat am Donnerstag.

Begrünte Haltestellendächer wie in Utrecht gibt es in Grevenbroich vorerst nicht. Die Statik der städtischen Hallen reicht nicht aus. Foto: Utrecht/Gemeende Utrecht

In Grevenbroich hatten die Liberalen beantragt „zu prüfen, welchen Beitrag die Bepflanzung zum Erhalt der Artenvielfalt und zum Klimaschutz“ leisten könne. Immerhin stehen im Stadtgebiet rund 140 Buswartehäuschen – viel Platz für Mini-Insektenwiesen. Doch die Tücke steckt im Detail. 50 Hallen werden von einem Privatunternehmen verwaltet. Auf sie „hat die Stadt keinen unmittelbaren Einfluss“, erklärt Bürgermeister Klaus Krützen. Und die 90 städtischen Hallen „haben Tonnendächer und sind im Wesentlichen aus Makrolon hergestellt. Materialien und Ausgestaltungen lassen aus statischen Grünen eine Bepflanzung der Dächer nicht zu“, so der Verwaltungschef. Eine neue Halle koste samt Aufbau rund 7200 Euro. Angesichts der Kosten verzichtet die Verwaltung „auf eine tiefergehende Prüfung und Realisierung“.

Doch Stadtsprecher Stephan Renner betont: „Wir werden das Thema nicht aus den Augen verlieren und erneut prüfen, wenn Haltestellen neu gestaltet werden.“ FDP-Fraktionschef Markus Schumacher mahnt, das Thema im Blick zu halten und auf Förderprogramme zu achten, die im Rahmen des Klimaschutzes zu erwarten seien. Renner weist zudem darauf hin, dass zwar begrünte Haltestellendächer zurzeit nicht möglich seien, dass sich die Stadt aber für Insektenschutz engagiere. So werde etwa ein Dutzend Blühwiesen mit insgesamt 4500 Quadratmetern angelegt. Etwa die gleiche Größe soll nach Vorschlag der Stadtbetriebe eine Blühwiese an Stelle heutiger Kleingärten an der Feilenhauerstraße haben.

Vielleicht hat aber auch das Wartehallen-Grün bald hier und da eine Chance, da die Stadt ohnehin massiv in Bushaltestellen investieren muss. Laut Personenbeförderungsgesetz soll der Öffentliche Personennahverkehr bis Januar 2022 vollständig barrierefrei nutzbar sein, begründete Ausnahmen sind möglich. In Grevenbroich besteht erheblicher Nachholbedarf, Mitte 2019 waren lediglich zwölf von 217 Haltestellen nach den gültigen Normen barrierefrei gestaltet.

Zunächst hat die Stadt im Haushalt 75.000 Euro für die Planung vorgesehen. „Ein Fachbüro soll ein Konzept erarbeiten, das uns aufzeigt, welche Haltestellen vordringlich umgebaut werden sollen und was an den einzelnen Haltestellen umgerüstet werden muss und kann“, sagt Renner. Priorität sollen Haltestellen haben, die häufig benutzt werden oder in der Nähe von Senioren- oder Behinderteneinrichtungen liegen. Die Kosten je Haltestelle beziffert die Stadtverwaltung mit rund 25.000 Euro. Allerdings sind Zuschüsse von bis zu 90 Prozent bei 15.000 Euro Kosten für Tiefbauarbeiten und 10.000 Euro für Ausstattung möglich.