Dr. Ulrich Berner über Emissionshandel und Lösungen: "Klima-Killer Kohlendioxid hat Komplizen"

Dr. Ulrich Berner über Emissionshandel und Lösungen : "Klima-Killer Kohlendioxid hat Komplizen"

Von Daniela Buschkamp

Von Daniela Buschkamp

Klimakiller Kohlendioxid: Der Feind des Wetters bedroht auch die Zukunft der Braunkohlekraftwerke und der stromintensiven Industrie - zumindest dann, wenn es zum EU-Emissionshandel kommt. Doch ist Kohlendioxid wirklich allein schuld am Treibhaus-Effekt? Oder hat der Klima-Killer noch unbekannte Komplizen? Diesen Fragen ging jetzt der Klimaforscher Dr. Ulrich Berner auf Einladung der Wirtschaftsvereinigung Grevenbroich nach.

"Die Zukunft der Braunkohlekraftwerke und der stromintensiven Industrien wie Aluminiumverarbeitung ist abhängig von den Beschlüssen zur Kohlendioxid-Senkung", sagte der Vorsitzende der Wirtschaftsvereinigung Grevenbroich, Werner Heres, zur Begrüßung im Kraftwerk Frimmersdorf. Die meisten Arbeitsplätze in dieser Region hingen von Stromgewinnung und Energie-intensiven Industrien ab. Heres mahnte zur "volkswirtschaftlichen Vernunft": "Deutschlands Anteil an der weltweiten Treibhaus-Emissionen beträgt etwa vier Prozent: Wir sollten uns nicht einreden oder einreden lassen, Maßnahmen in Deutschland allein könnten das Weltklima retten."

Dies sei der richtige Zeitpunkt - auch mit Blick auf die anstehende Entscheidung für einen weiteren BoA-Block im Kraftwerk Neurath - um einmal zu fragen, welche Ursachen der Treibhauseffekt tatsächlich habe. Ist Kohlendioxid wirklich allein der gefährliche Klima-Killer oder hat er Komplizen? Auf der Gas-Fährte wandelt Klima-Experte Dr. Ulrich Berner. Der Mitarbeiter des Geozentrums Hannover mit dem Schwerpunkt Klimaentwicklung und EU-Berater beantwortete diese Frage ganz einfach - mit einem Blick zur Sonne und einem "Nein". Nach seinen Forschungserkenntnissen sei Kohlendioxid nicht allein für den Treibhaus-Effekt auf der Erde verantwortlich zu machen: "Die Sonne ist der Motor unseres Klimas." In einem kurzweiligen und gleichzeitig informativen Vortrag stellte Berner seine Thesen vor, die er bereits in dem Buch "Klimafakten: Der Rückblick, ein Schlüssel für die Zukunft" mitveröffentlicht hat - und sorgte damit auch für Erstaunen bei den Zuhörern.

Denn das vermeintlich sichere Wissen um den Klima-Killer Kohlendioxid ließ Berner geradezu im Sonnenlicht schmelzen. Der Klimaforscher stellte fest: "Klima ist nicht stabil." Die heutige Klimaveränderung, als Treibhaus-Effekt bekannt, sei noch sehr moderat und keineswegs ungewöhnlich. Dass Kohlendioxid als "Klima-Killer" die Erwärmung der Erde allein verursache, hält Berner für falsch. Ein Blick auf die vergangenen 250 Millionen Jahre zeige, dass Kohlendioxid und Klima nicht miteinander gekoppelt seien: "Die Temperatur läuft manchmal vor und das Kohlendioxid steigt Millionen Jahre später." Ein Beispiel sei die Temperatur-Entwicklung auf Grönland, die unabhängig von der Kohlendioxid-Konzentration in der Atmosphäre sei.

"Die Sonne hat großen Einfluss auf das Erdklima", sagt Berner. Die Schwankungen im "Sonnendynamo" ließen sich nicht nur im Eis, sondern auch in Ablagerungen nachweisen. Wenn Sonnenflecken oder -fackeln aufträten, würden sich auch die Energiemengen verändern, die die Erde erreichten. Eine helle Wolkenoberfläche strahle energiereiches Sonnenlicht in den Weltraum zurück - und bringe eine Abkühlung des Klimasystems. Mit Blick in die Klima-Zukunft meinte Berner: "Selbst wenn wir bereits seit 1990 die Kohlendioxid-Emission auf einem gleichbleibenden Niveau gehalten hätten, würde das Kohlendioxid in der Atmosphäre weiter steigen." Er rät dagegen zum Sparen: "Wir werden nicht ohne fossile Energie auskommen und sollten unbedingt Rohstoffe sparen." Mehr Effizienz bei der Gewinnung und Nutzung von Energie sei unverzichtbar - im Gegensatz zur Kohlendioxid-Reduzierung.

(NGZ)