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Grevenbroich: Klage wegen Krebs gescheitert

Grevenbroich : Klage wegen Krebs gescheitert

Eine ehemalige Lehrerin des Berufsbildungszentrums Grevenbroich ist Montag mit ihrer Klage vor Gericht gescheitert. Die 52-Jährige wollte, dass ihr Brustkrebsleiden als Berufskrankheit anerkannt wird.

Eine krebskranke Lehrerin des Berufsbildungszentrums (BBZ) ist mit ihrer Klage gegen das Land NRW als ihren Arbeitgeber gescheitert: Die Pädagogin Verena Honus war vor Gericht gezogen, um eine Anerkennung ihrer Krebserkrankung als "Berufskrankheit" zu erwirken. Am Verwaltungsgericht Düsseldorf allerdings konnte sie gestern einen Zusammenhang zwischen der Schule und der Krankheit nicht zweifelsfrei belegen. Dennoch dürften viele Aussagen der Frau am BBZ für Aufregung sorgen: Ihren Angaben zufolge sind in den vergangenen Jahren dort viele Lehrer an Krebs erkrankt und auch gestorben.

Das Berufsbildungszentrum an der Bergheimer Straße: Hier sollen etwa 14 Lehrer und Lehrerinnen an Krebs erkrankt sein. Foto: M. Reuter

"Frau Honus hat von 14 Lehrern und Lehrerinnen berichtet, die an Krebs erkrankt sind, neun von ihnen sind verstorben", fasste Gerichtssprecher Gerd-Ulrich Kapteina die Angaben der Lehrerin zusammen, die 25 Jahre in Grevenbroich am BBZ unterrichtet hatte. Bei ihr selbst war 2006 Krebs diagnostiziert worden. "Ich hatte Brustkrebs, bekam erst eine Chemotherapie und wurde dann operiert", berichtete die 52-Jährige im Prozess. Inzwischen gilt sie als geheilt — abhaken allerdings kann und will sie ihre Erkrankung nicht. Sie fordert eine Anerkennung der Krebserkrankung als "Berufskrankheit", um beim Land NRW als ihrem Arbeitgeber eine entsprechende Entschädigung geltend machen zu können.

Dort war die dreifache Mutter allerdings bislang stets auf Granit gestoßen. Die Vertreter des Landes verwiesen auch gestern vor Gericht immer wieder auf ein Gutachten eines Experten, aus dem angeblich hervorgeht, dass ein Zusammenhang zwischen der Schule und der Krebserkrankung nicht zwingend gegeben ist. "Der Experte kann einen Zusammenhang nicht bestätigen, er kann ihn aber auch nicht ausschließen", so Hans-Jürgen Igel, Rechtsanwalt der Berufsschullehrerin.

Die Pädagogin ist sich derweil sicher, dass sie jahrzehntelang in der Schule erheblichen Schadstoffen ausgesetzt war. "Im Unterricht der Bäckerei-Fachverkäuferinnen gab es Lebensmittel-Attrappen mit gefährlichen Weichmachern oder auch PVC-Böden mit krebserregenden Stoffen", so Verena Honus. Besonders belastet seien Chemie-Räume gewesen. "Später wurde in diesen Räumen auch Kunst unterrichtet. Wenig später erkrankten auch die Kunst-Lehrerinnen an Krebs", erklärte die 52-Jährige im Prozess.

Richter Jan-Peter Fiebig sagte, der Rhein-Kreis Neuss als Träger der Schule habe sich durchaus mit den Vorwürfen der Lehrer beschäftigt. "Experten des Hygieneinstituts Gelsenkirchen haben Messungen durchgeführt. Letztlich konnte allerdings auch ein Gutachter nicht zweifelsfrei feststellen, dass es einen Zusammenhang zwischen den Krebserkrankungen und möglichen Schadstoffen gibt", so Fiebig. Die "Datenlage" reiche für eine Anerkennung als Berufskrankheit nicht aus.

Lehrerin Verena Honus zweifelt derweil die angeblich unabhängigen Messungen an. "Da wurde mal eine Probe in gelüfteten Räumen genommen", erklärte die Pädagogin, "im Sommer bei 30 Grad sah das ganz anders dort aus." Vertreter der Kreisverwaltung hatten bereits im Vorfeld des Verfahrens die Vorwürfe zurückgewiesen. "Laut Gutachten gibt es keinen Handlungsbedarf", hatte Dezernent Tilman Lonnes erklärt.

(NGZ)