Grevenbroich: Kitas: Personal und Geld fehlen

Grevenbroich : Kitas: Personal und Geld fehlen

Die Erzieherinnen in den Grevenbroicher Kitas leiden unter zu vielen Aufgaben, sagt Fachberater Dietmar Vittinghoff. Viele seien öfter krank und unzufrieden; zudem bringe der U3-Ausbau einen Fachkräftemangel.

Sie spielen, trösten und wickeln, sie organisieren den Alltag, dokumentieren Lernerfolge und führen Elterngespräche. Außerdem räumen sie die Küche auf, waschen, bringen den Müll raus und greifen zum Hammer, wenn eine Reparatur droht. Klingt wie eine Mischung aus Eltern, Super-Nanny und Bob dem Baumeister — es sind aber Erzieherinnen und Kinderpflegerinnen. Und sie sind in Grevenbroich "sehr stark belastet", sagt Dietmar Vittinghoff, Fachberater für die städtischen Kindertagesstätten. Ursache sei das Kinderbildungsgsetz (KiBiz): Es habe so viele zusätzliche Aufgaben gebracht, dass immer mehr Personal überlastet sei — und nicht mehr ausreichend Zeit für die pädagogische Arbeit habe.

"Anforderungen nicht zu erfüllen"

Was hat sich durch das im Oktober 2007 verabschiedete KiBiz geändert? Zum einen die Struktur, zu am anderen die Finanzierung in den Kitas, So erhalten Einrichtungen Geld über "Kindpauschalen", die sich aus vier Faktoren (Alter, Behinderung, Stundenbelegung und Gruppenform) zusammensetzen. In der Praxis hat sich die flexible Stundenbelegung — 23, 35 oder 45 Stunden pro Woche — als Problem erwiesen, sagt Vittinghoff: "Die Einrichtungen müssen den Personalbedarf immer wieder neu plane." Für die Mitarbeiter bedeute dies eine unsichere Zukunft. Was er beobachtet hat: "Die Arbeitszufriedenheit sinkt, es gibt eine hohe Fluktuation und hohe Krankenstände bis zum Burn-out." Sein Fazit: "Die Anforderungen, die das KiBiz an mehr frühkindliche Bildung stellt, sind personell und finanziell nicht zu leisten." Verschärft werde die Situation durch Mangel an Fachkräften: "Für den Ausbau der U3-Plätze — in Grevenbroich zurzeit etwa in Hülchrath, Langwaden und im neuen Buckau-Kindergarten — werden Mitarbeiter gebraucht, aber der Markt ist leer."

Daniel Rinkert, Stadtverbandsvorsitzender der SPD, hofft nach seinen Besuchen in vielen Kitas, dass einige Mängel des Gesetzes bald beseitigt werden. Bei der Politikwerkstatt "Revision des KiBiz", kündigte die SPD-Landtagsabgeordnete Eva-Maria Voigt-Küppers, Mitglied im Ausschuss für Familie, Kinder und Jugend, einige Änderungen an: "Das letzte Kita-Jahr soll für alle Eltern beitragsfrei werden. Zudem sollen 100 Millionen Euro in zusätzliche Fachkraftstunden investiert werden." Zudem sollte es mehr Unterstützung für nicht-pädagogische Aufgaben geben: "In einer Firma spült der Chef auch nicht das Geschirr. Das ist betriebswirtschaftlich unsinnig."

Heute berät der Landtag über die Revision. Umgesetzt werden könnte sie ab 1. August 2011.

(NGZ)
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