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Grevenbroich: Kippt ein Molch die Erftauen-Trasse?

Grevenbroich : Kippt ein Molch die Erftauen-Trasse?

Jubel beim Bund für Umwelt und Naturschutz: In der Erftaue ist der seltene Kammmolch nachgewiesen worden. Ausgerechnet in dem Gebiet, wo die Landstraße 361n gebaut werden soll. Verhindert der kleine Lurch die Trasse?

Dass sich der Kammmolch irgendwo in der Erftaue zwischen Wevelinghoven und Kapellen tummelt, hatten sie vermutet. Doch konkret belegen konnten sie das nicht, die Mitglieder des Bundes für Natur- und Umweltschutz. "Das hat jetzt ausgerechnet der vom Landesbetrieb Straßenbau eingesetzte Gutachter übernommen", erklärt Sprecher Henning Walther und kann sich ein Schmunzeln nicht verkneifen. In einer jetzt herausgegebenen Umweltanalyse zur Landstraße 361n sei die seltene Amphibie explizit aufgeführt worden: "Es wurden zwei Jungtiere in einem alten Erftarm entdeckt", erläutert Walther.

Die Brisanz: Beim Kammmolch verhält es sich in etwa wie beim Feldhamster. Der bis zu 18 Zentimeter lange Lurch mit dem orange-gelben Bauch und dem (für die Männchen) charakteristischen Rückenkamm genießt nicht nur einen bundes-, sondern auch einen europaweiten Schutz. Seltene Arten wie er dürfen weder gefangen noch verletzt oder gar getötet werden. Und: Es ist verboten, Kammmolche in ihren Lebensräumen zu stören. "Damit ist eine äußerst hohe Hürde gegen die Landstraße aufgebaut worden. Mit dem Nachweis dieser Art wird belegt, dass eine umweltverträgliche Trasse in diesem Gebiet keinesfalls möglich ist", meint Henning Walther.

Dass der Molch in einem Alterftarm und nicht in unmittelbarer Nähe der geplanten Streckenführung entdeckt worden sei, spiele nach Darstellungen des Bundes für Umwelt und Naturschutz keine Rolle — denn: "Das europäische Recht zielt auf den gesamten Lebensraum eines Tieres ab. Kammmolche haben einen Aktionsradius von bis zu einem Kilometer — und in diesem Gebiet ist die Straße mit ihren Dämmen geplant", so Walther.

Noch im vergangenen Monat hatten CDU und SPD eine Resolution an die Landesregierung in den Stadtrat eingebracht. Rot-Grün in Düsseldorf wurde eindringlich aufgefordert, den seit Jahrzehnten geplanten Straßenbau endlich zu realisieren. Die NRW-Minderheitsregierung tut sich jedoch schwer mit diesem Millionenvorhaben. Sanierungen werden Neubauten derzeit vorgezogen, teilte Verkehrsminister Harry Voigtsberger der Stadt mit.

Walther und seine Mitstreiter hoffen nun darauf, dass der Kammmolch vor allem den "grünen Part" in Düsseldorf dazu bewegen wird, die Notwendigkeit der L361n kritisch zu überprüfen. "Wir wollen, dass das Projekt auf diesem Weg ein für alle Mal eingestampft wird", macht der Gindorfer deutlich.

Beim Landesbetrieb Straßenbau läuft das Planverfahren weiter: "Wir haben einen Arbeitsauftrag, den wir erfüllen", sagt Wilhelm Höfener, der stellvertretende Leiter der Behörde. Beeinträchtigungen durch den Molch sieht er derzeit nicht: "Dieses Tier kann man durch Maßnahmen auch schützen."

(NGZ)