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Grevenbroich: Kinder erklären die Heilige Nacht

Grevenbroich : Kinder erklären die Heilige Nacht

Fröhliche Weihnacht überall: Vera und Tess sind neun Jahre alt. Die Weihnachtsgeschichte können sie nahezu auswendig aufsagen. Gelernt haben sie die Geburtsgeschichte im Religionsunterricht und in Weihnachtsliedern.

Kindern wird ja von Erwachsenen viel nachgesagt. Zum Beispiel, dass sie nichts mehr lesen und auswendig lernen, weil sie ihre Freizeit nur noch vor dem Fernseher, Computer oder der Spielkonsole verbringen. Und dass sie sich nicht mehr für die Geschichte und Traditionen zu Weihnachten interessieren. Zum Glück gibt es aber auch Viertklässlerinnen wie Tess und Vera von der Katholischen Grundschule Stadtmitte, die allen meckernden Erwachsenen so richtig Mores lehren können.

Auf die Frage, ob die beiden die Weihnachtsgeschichte kennen, antworten sie mit einem leicht mitleidigen Gesichtsausdruck: "Na klar!" Und dann beginnt Vera, ohne noch einmal nachzudenken, mit der wohl berühmtesten Geburtsgeschichte der Welt: "In jenen Tagen geschah es, dass vom Kaiser Augustus ein Befehl ausging, dass der gesamte Erdkreis aufgezeichnet werde." Dann stockt sie doch kurz, fährt sich nachdenklich über die Nase, und es sprudelt wieder aus ihr heraus: "Diese erste Aufzeichnung geschah, als Quirinus Statthalter von Syrien war. Alle gingen hin, sich eintragen zu lassen, ein jeder in seine Stadt."

Während sie die Geschichte weitererzählt, hört ihre Freundin Tess gespannt zu. Als Vera eine kurze Pause macht, setzt Tess ein: "Als sie in Bethlehem waren, kam für Maria die Zeit ihrer Niederkunft, und sie gebar ihren Sohn, den Erstgeborenen." Dann macht sie eine kurze Pause, rollt die Augen und dreht eine Haarsträhne mit den Fingern zusammen. "Soll ich noch weitermachen", fragt sie dann keck.

Das braucht sie nicht, der Beweis ist erbracht: Auf die Kinder von heute ist doch noch Verlass. Und auf das Bildungssystem auch: "Wir haben die Weihnachtsgeschichte vor zwei Wochen im Religionsunterricht besprochen", sagt Vera.

Vera und Tess haben im vergangenen Jahr außerdem die Weihnachtsgeschichte im Kindergottesdienst ihrer Gemeinde nachgespielt. "Wir beide waren Adventskerzen und hatten richtig schöne Kostüme", erklärt Tess stolz. Nach Neujahr werden die beiden Neunjährigen auch als Sternsinger ausrücken und Geld für Bedürftige sammeln.

Auch die Geschichte der Heiligen Drei Könige kennen sie — nach kurzem Überlegen. "Das waren drei reiche Männer, die vom Stern von Bethlehem zum Stall geleitet wurden", sagt Vera. Dann zählt sie langsam an ihren Finger die Geschenke ab. "Sie hatten Gold, Myrrhe und Weihrauch dabei. Ich weiß leider nur nicht genau, was Myrrhe ist. Ich glaube aber, dass es so eine Art Öl ist."

So ganz genau wissen die beiden aber nicht, wie Maria zu dem Kind in ihrem Bauch gekommen ist, Zugegebenermaßen ein schwer verständliches Feld für Neunjährige, wie auch für rational denkende Erwachsene. "Irgendwie ist nicht nur Josef der Vater von Jesus, sondern auch Gott", erklärt Vera nach einigem Überlegen. Sehr richtig, und die weiteren Einzelheiten wird sie ja noch in den kommenden Jahren lernen. Nun freuen sich die Freundinnen vor allem auf den Weihnachtsabend. "Dann kommt das Christkind, es gibt Geschenke und der Weihnachtsbaum leuchtet so schön bunt und hell", sagt Tess aufgeregt mit freudigen Augen.

Was dann unter dem Baum liegt wissen die neiden noch nicht, doch das wird sich ja zum Glück heute Abend noch herausstellen. Aber warum wir heute das Weihnachtsfest feiern, dass wissen ganz sie genau: "Während sie dort waren, geschah es, dass sich die Tage erfüllten, da sie gebären sollte, und sie gebar ihren erstgeborenen Sohn, hüllte ihn in Windeln und legte ihn in eine Krippe, weil nicht Platz für sie war in der Herberge." Respekt!

(NGZ/rl)