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Grevenbroich: Killer-Shrimp in der Erft

Grevenbroich : Killer-Shrimp in der Erft

Er ist klein, aber gefräßig: Der gierige Höckerflohkrebs vernichtet heimische Artgenossen in Erft und Gillbach. Der Erftverband erforscht, wie die Ausbreitung des als Killer Shrimp bekannten Tieres verhindert werden kann.

Mit 30 Millimetern ist er lächerlich klein – ein Winzling. Doch Biologen haben Respekt vor dem Höckerflohkrebs. Weil er ein skrupelloser Räuber ist. Nahezu unersättlich vertilgt das Tier seine Artgenossen. Längst wird es sogar in ansonsten nüchternen Fachkreisen als Killer-Shrimp bezeichnet. Nicht zu Unrecht: Alleine im Gillbach rottete der Krebs neun von 14 wirbellosen Tierarten aus. Auch in der Erft macht er sich breit.

Ursprünglich stammt der kleine Allesfresser aus dem kaspischen Raum. "Vermutlich ist er in den Ballast-Wassertanks von Schiffen über die Donau in den Rhein gelangt", erklärt Udo Rose vom Erftverband. Mittlerweile verbreitet sich der Krebs auch in den Nebengewässern des Stroms. "Und dort macht er Jagd auf seine verwandten Artgenossen wie heimische Flohkrebse und andere kleine Wasserlebewesen. Er frisst sehr effektiv", meint der Biologe. Selbst an Schnecken traut sich der Räuber heran: "Ich habe im Aquarium beobachtet, wie er eine geknackt hat", so Rose.

Der Killer-Shrimp hat zwar Fressfeinde, doch die sind nicht in der Lage, dem gierigen Krebs komplett den Garaus zu bereiten. An manchen Stellen, so vermutet der Erftverbands-Experte, tummeln sich bis zu 100 Exemplare pro Quadratmeter. Die Folgen: "Er stört die Artenvielfalt, die wir natürlich erhalten wollen", sagt Udo Rose.

Bislang ist der Höckerflohkrebs noch nicht bis in Grevenbroicher Gefilde vorgedrungen. "Obwohl das Tier schon 2001 zum ersten Mal in der Erft festgestellt wurde, ist es nicht weiter als bis zur Eppinghovener Mühle auf Neusser Stadtgebiet vorgedrungen", berichtet der Experte. Ob das dort stehende Wehr eine weitere Ausbreitung in Richtung Erftquelle verbindet, soll im Rahmen einer wissenschaftlichen Studie herausgefunden werden.

Daniel Dietrich vom Erftverband hat in einem Aquarium eine Versuchsanordnung eingerichtet: Mit Hilfe eines Mini-Wehrs will der Doktorand herausfinden, ob die Winzlinge in der Lage sind, Hindernisse zu überwinden. "Vielleicht können sie dazu beitragen, die Ausbreitung des Tierchens zu verhindern", berichtet Udo Rose.

Der Biologe setzt zudem auf die in Gang gekommene Renaturierung der Erft. "Damit werden künftig weitaus mehr Versteckmöglichkeiten für kleinere Tiere geboten, als das heute im ausgebauten Gewässer der Fall ist", meint Rose. "Ansonsten", so gibt er zu, "lässt sich kaum etwas machen, um den Höckerflohkrebs zu verhindern."

Neben 100 einheimischen wirbellosen Tieren wurden bislang 16 gebietsfremde Arten in der Erft nachgewiesen. Besonders erfolgreich hat sich die aus Asien stammende Körbchenmuschel ausgebreitet. Binnen zehn Jahren hat sie eine Strecke von 30 Kilometern zurückgelegt und die Erft bis hinauf nach Bergheim erobert.

(NGZ)