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Grevenbroich: Keine Erinnerung an Bluttat

Grevenbroich : Keine Erinnerung an Bluttat

Der 44 Jahre alte A. K. steht seit gestern vor dem Landgericht Mönchengladbach. Er steht im dringenden Verdacht, seine Ex-Frau in Grevenbroich getötet zu haben. Doch der Mann will sich an nichts erinnern können.

Am Landgericht Mönchengladbach hat gestern der Prozess um den gewaltsamen Tod einer dreifachen Mutter aus Grevenbroich begonnen. Die 40 Jahre alte I. S. war im November in ihrer Wohnung getötet worden. Angeklagt ist ihr Ex-Mann. Der 44-jährige A. K. allerdings will sich an die Tat nicht erinnern können.

Rückblick: Nachbarn hatten die Polizei am Tattag nach einem lautstarken Streit gerufen, A. K. lief daraufhin den Beamten im Treppenhaus blutverschmiert direkt in die Arme. In der Wohnung fand die Polizei die Mieterin I. S. mit zahlreichen Stichverletzungen und blutenden Wunden am Kopf vor — für die dreifache Mutter kam jedoch jede Hilfe zu spät.

Laut Anklage soll ihr Ex-Mann die Grevenbroicherin zunächst mit elf Messerstichen niedergestreckt und ihr anschließend mehrfach mit einem Hammer brutal auf den Kopf geschlagen haben. Genau daran will sich A. K. jetzt im Prozess nicht mehr erinnern können. "Ich weiß nicht, was in der Wohnung meiner Ex-Frau passiert ist", gab der frühere "Erftcarbon"-Mitarbeiter kurz und knapp zu Protokoll.

Umso wortreicher hatte er zuvor die Vorgeschichte der mutmaßlichen Tat geschildert. 1991 war er als Kriegsflüchtling aus Mazedonien nach Deutschland gekommen, 1992 lernte er I. S. kennen. Noch im gleichen Jahr wurde geheiratet, bald kamen die ersten gemeinsamen Kinder auf die Welt. "Trotzdem gab es in der Beziehung immer wieder Palaver", erklärte der Angeklagte. "Meine Frau hat ständig Alkohol getrunken." Der permanente Ärger führte letztlich nach mehreren Umzügen innerhalb des Stadtgebiets und 2004 zur Scheidung.

Ganz konnte das Paar offenbar dennoch nicht voneinander lassen. Obwohl A. K. eine andere Frau aus seiner mazedonischen Heimat heiratete, soll ihm I. S. immer wieder ihre Aufwartung gemacht haben. "Ständig kamen Anrufe von ihr. Ich habe ihr gesagt, sie soll mich in Ruhe lassen. Da war nichts zu machen." Durch ihre permanente Kontaktaufnahme habe I. S. seine neue Ehe zerstört. 2010 habe er dann erneut eine Frau aus seiner Heimat geheiratet, auch diesmal habe ihn seine Ex-Frau angefleht, er solle zu ihr zurückkommen. Am Tattag sei er zu ihr gefahren, um mit ihr zu reden. Dabei sei es zum Streit gekommen. "Dann wurde mir schwarz vor Augen, ich weiß nichts mehr darüber", wiederholte K. gestern immer wieder. Dennoch hat die Staatsanwaltschaft keine Zweifel daran, dass nur der 44-Jährige für die Bluttat in Frage kommt.

Sieben Verhandlungstage sind angesetzt, eine Vielzahl von Zeugen soll ab dem nächsten Prozesstag vernommen werden. Das Verfahren wird am 25. Mai fortgesetzt, mit dem Urteil wird frühestens Ende Juni gerechnet.

(NGZ)