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Grevenbroich: Kein Platz für Wohnmobile

Grevenbroich : Kein Platz für Wohnmobile

Den Wohnmobil-Platz an der Spielspinne dürften wenige Touristen finden: Das Schild an der Zufahrt lässt nur Busse und Personenwagen zu – ein Schildbürgerstreich. Strom und Wasser gibt's auch nicht, andere Städte bieten mehr.

Wohnmobil-Touristen macht die Stadt das Leben gehörig schwer. Zwar hat sie neben der Spielspinne am Bend einige Stellplätze für Wohnmobile mit einem Schild ausgewiesen. Doch die sind kaum zu finden: Das Parkplatzschild an der Zufahrt wenige Meter weiter besagt auf einem Zusatzschild nämlich ausdrücklich: "Nur für Bus & Pkw". Ein Wohnmobil ist aber kein Personenwagen und auch kein Bus, hat demnach dort nichts zu suchen. "Das ist ein Witz", meint Werner Amian (63). Der Wevelinghovener ist selbst Wohnmobil-Camper und zudem Präsident der Reisemobil-Union mit bundesweit 1700 Mitgliedern.

Das Verwirrspiel auf den Schildern ist nicht der einzige Haken an den Stellplätzen, die eigentlich nur eine triste graue, geschotterte Abstellfläche sind. "Als Wohnmobilplatz ist die unbrauchbar. Dort kann man vielleicht eine Nacht lang stehen, mehr aber nicht", so Werner Amian. Er weiß, was Wohnmobilisten brauchen – und vielerorts finden. "Wenn ich Touristen locken will, dann ist ein Stromanschluss und eine Entsorgung für Abfälle und Toilette nötig. In vielen Kommunen am Niederrhein gibt es mittlerweile gut ausgestattete Plätze. Goch etwa bietet einen wunderschönen Platz mitten in der Stadt, der gut angenommen wird", so Amian. "Mit solchen Angeboten macht man die Stadt bekannter, und auch der Einzelhandel profitiert: Eine Wohnmobil-Besatzung lässt am Tag rund 70 Euro im Ort", weiß der Präsident. "Viele Urlauber aus Skandinavien oder Norddeutschland machen auf ihrer Reise im Rheinland Station, bleiben zwei, drei Tage an einem Ort", erläutert Amian. Und er sagt: "Die Stadt Grevenbroich hat meiner Ansicht nach den Trend verschlafen."

Seit langem setzt sich Amian für einen gut ausgestatteten Platz in der Stadt ein, die Reisemobilunion würde gern beratend unterstützen. Peter Theo Schäfer von der Sixt-Autovermietung an der Nordstraße plante bereits, die Lücke zu schließen. Doch dann legte er das Projekt zu den Akten. "Ich habe das prüfen lassen, der Platz hätte sich nicht in einem angemessenen Zeitraum gerechnet", so Schäfer auf Anfrage.

Also bleibt "Touris" mit Wohnmobilen weiter nur der trostlose städtische Platz. Zumindest das Versteckspiel soll ein Ende haben. "Die Beschilderung wird in Kürze ergänzt", versichert Ines Hammelstein von der Pressestelle der Stadtverwaltung. Stadtmarketing-Beauftragter Robert Jordan verweist darauf, dass es im Kreis nur sechs Wohnmobil-Plätze gibt. Ein Platz mit besserer Ausstattung in Grevenbroich sei "wünschenswert. Dadurch lassen sich mehr Touristen in die Stadt locken", weiß auch Jordan. "Doch eine Versorgungsstation kostet rund 3000 Euro und muss gewartet werden. Dafür fehlt in Grevenbroich zurzeit das Geld."

(NGZ)