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Grevenbroich: Kein Platz für Pony aus der Verlosung

Grevenbroich : Kein Platz für Pony aus der Verlosung

Ein gewonnener Ponyhengst aus Grevenbroich sorgt für Aufregung bei Facebook: Angeblich drohe der Züchter mit dem Pferdemetzger, wenn die Stallmiete nicht gezahlt werde, heißt es. Der Reitstallbesitzer weist diese Vorwürfe zurück.

Obwohl es seine Eltern ihm verboten hatten, kaufte der 13 Jahre alte Jannik für zwei Euro ein Tombola-Los beim alljährlichen Reitturnier auf Gut Neuhaus. Denn der Hauptpreis war einfach zu verlockend: ein kleiner Shetlandhengst mit Namen Zeus. Jannik verbringt jede freie Minute auf dem Reiterhof, um mit Pferden und Ponys zusammen zu sein. Umso glücklicher war der Schüler, als er zum Gewinner des Tages wurde.

Freudestrahlend lief der junge Pferdenarr mit den Abstammungspapieren und der Eigentümerurkunde nach Hause, um seinen Eltern von seinem Preis zu erzählen. Doch die waren weniger begeistert vom Hauptgewinn: "Wir leben in einer Etagenwohnung und haben drei Kinder. Wir können doch kein Pony aufnehmen", erklärt Mutter Kerstin Antons. Dass ihr jüngster Sohn gewonnen habe, sei für sie "ein Riesenschock" gewesen. "Zunächst haben wir gedacht, er will uns auf den Arm nehmen. Aber leider hat der Reitstall tatsächlich ein Tier an einen Schüler verlost, der noch nicht geschäftsfähig ist", empört sich die 42-Jährige.

Auf der Suche nach einem liebevollen Zuhause für den Hauptgewinn hat Jannik gemeinsam mit einem Freund bei jedem Pferdehalter in der Umgebung angefragt — ohne Erfolg. Dabei lernten die Kinder auch die Hülchrather Tierschützerin Conny Wichmann kennen, die selbst zwei Shetland-Ponys besitzt. "Der Hengst war 2012 schon einmal der Hauptpreis bei einer Tombola. Damals haben die Gewinner ihn jedoch zurückgeben können", erklärt Wichmann, die jetzt die Vermittlung in die Hand genommen hat.

Auf ihrer Tierschutzseite im sozialen Netzwerk Facebook schilderte sie die traurige Geschichte vom Hauptgewinn namens Zeus, der einem Pferdemetzger zum Opfer fallen sollte, falls die Stallmiete von seinem neuen Besitzer nicht gezahlt werde. Denn damit habe der Reitstallbesitzer gedroht.

Inzwischen wurde der Beitrag mehr als 10 000 Mal bei Facebook gelesen und geteilt, über 200 Pferdefreunde haben sich mittlerweile bei Conny Wichmann gemeldet und ihr Interesse an dem kleinen Shetland-Hengst bekundet. "Für einen symbolischen Preis von einem Euro verkaufe ich ihn in gute Hände — aber nicht an Züchter", erklärt Wichmann: "Denn ältere Hengste stehen bei ihnen meist in dunklen Verschlägen und werden nur dann herausgeholt, wenn sie eine Stute decken sollen", behauptet die resolute Hülchratherin, die sich seit Jahren für Tiere einsetzt.

Friedhelm Tillmann von Gut Neuhaus wies diese Vorwürfe gestern entschieden von sich: "Ich komme aus einem Familienurlaub und habe gerade erst von diesen erschreckenden Anschuldigungen gehört. Das habe ich nicht gesagt — bei uns kommt kein Pferd zum Metzger", erklärte er empört. Und: "Jannik liebt Pferde, deswegen haben alle gedacht, dass da genau der Richtige das Gewinnerlos gezogen hat", sagt Tillmann, der sich bereits in seinem Urlaub mit seiner Frau darüber Gedanken gemacht habe, wie dem 13-Jährigen bei der Haltung des neuen Vierbeiners zu helfen sei.

"Zeus ist nach wie vor bestens untergebracht. Ich werde Rücksprache mit den Eltern halten", verspricht Tillmann: "Wenn sie das Pony nicht halten können, biete ich ihnen meine Hilfe für den Verkauf an — so bekommt Jannik wenigstens noch ein wenig Taschengeld."

(vest)