Grevenbroich: Kaum Politiker bei Facebook

Grevenbroich : Kaum Politiker bei Facebook

Das soziale Netzwerk im Internet hat die Kommunikation grundlegend verändert. Auch als politisches Instrument ist es längst unabdingbar. Grevenbroichs Politiker allerdings üben sich bislang in vornehmer Zurückhaltung.

Irgendwo hier müssen sie doch sein. Über den Bildschirm flimmert das Facebook-Profil, und wer die ungeheure Expansion des größten sozialen Netzwerkes der Welt und seine Bedeutung zur Kommunikation auch auf lokaler Ebene kennt, muss folgern: Das nutzen Politiker. Um volksnah zu sein. Um auch mal auf kurzem Dienstweg zu informieren. Nur: Grevenbroichs Politiker sucht man bei Facebook größtenteils vergebens. Von den im Rat vertretenen Parteien haben weder CDU, SPD, Grüne noch UWG ein Facebook-Profil. Auch die Fraktionsvorsitzenden halten sich vornehm zurück. Eine Ausnahme ist Rolf Göckmann.

Der Fraktionsvorsitzende von "Aktive Bürger Grevenbroich" (ABG) verlinkt Seiten, die ihm gefallen. Mal empfiehlt er ein Theaterstück von "Fug und Unfug", einer freien Theatergruppe aus Neuss, mal ist es sein persönlicher Song des Tages. Jeder, der möchte, erfährt so etwas über das Ratsmitglied. Das schafft Volksnähe. Möglicherweise ist es nur gefühlte Nähe, aber immerhin. Nähe ist wichtig in der Politik, egal auf welcher Ebene.

Auch im Wahlkampf setzte Göckmann auf Facebook und das Internet. "Ich habe viel positive Resonanz bekommen", sagt der 53-Jährige. Gerade Jugendliche ließen sich so erreichen – oft ein Problem für die Politik. Kein Wunder, dass Facebook als politisches Instrument an Bedeutung gewinnt. Die Nutzer hoffen auf eine Stärkung des eigenen Profils. Gerade auf lokaler Ebene kann das von zentraler Bedeutung sein. Erkannt haben dies auch die jungen Politiker aus den Nachwuchsorganisationen der Parteien. Im Schatten der Etablierten wächst da eine neue Generation heran. Ein Beispiel: Steffen Büttgenbach, Vorsitzender der Grevenbroicher FDP-Nachwuchsorganisation "Junge Liberale" (Julis).

Der 24-Jährige hat ein privates Facebook-Profil, zudem nutzen die Julis das soziale Netzwerk mit einem gemeinsamen Auftritt. "Man hat dort einen bunten Empfängerkreis und erreicht die Leute viel schneller", sagt Büttgenbach. Darüber hinaus lässt sich Facebook nutzen, um für ein Projekt zu werben oder Mehrheiten für eine Abstimmung zu mobilisieren.

Der SPD-Fraktionsvorsitzende Horst Gerbrand hat sich dennoch bewusst gegen das Netzwerk entschieden. "Zweifelsohne gibt es Vorteile, aber auch Nachteile", sagt er. "Jeder muss für sich selbst wissen, wie viel Persönliches er von sich preisgibt."

Auch Bürgermeisterin Ursula Kwasny (CDU) verzichtet auf ein eigenes Facebook-Profil. Zwar findet sie das Netzwerk interessant. "Da wir aber bereits eine städtische Seite mit 150 Fans haben, macht eine weitere Seite mit mir als Bürgermeisterin keinen Sinn", meint sie.

(NGZ)
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