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Grevenbroich: Katzenfutter und Rührei für Igel in Not

Grevenbroich : Katzenfutter und Rührei für Igel in Not

Die Mitarbeiter des Schneckenhauses retten Igel vor dem Kältetod. Abgemagerte Stacheltiere werden mit Katzenfutter, Hackfleisch und Rühreiern aufgepäppelt, damit sie genügend Speck für den kommenden Winterschlaf ansetzen.

So richtig trauen die beiden Igel der neuen Umgebung noch nicht. Sie bleiben sicher eingekugelt und mit allen Stacheln weit von sich gestreckt neben der Waage im Grevenbroicher Schneckenhaus liegen. Erst vor wenigen Minuten wurden die Tiere von Manfred Clever (57) in dem Umweltzentrum am Bend abgegeben. Die Igel hatte der Fliesenleger in der Nähe einer seiner Baustellen entdeckt.

"Ich weiß, dass sie nachtaktiv sind, daher dachte ich mir schon, dass mit den Tieren etwas nicht in Ordnung ist, wenn sie tagsüber unterwegs sind", erzählt der 57-jährige Igelfreund. Er selbst ist in Tierschutzvereinen aktiv und hat auch schon Igel bei sich zu Hause überwintern lassen. "Doch bei meinem Arbeitspensum derzeit habe ich leider nicht die Zeit, um die Igel zu füttern oder die Käfige sauber zu halten", erklärt Clever.

Für genau diese Fälle ist das Schneckenhaus gedacht. 19 Igel sind hier derzeit untergebracht. 20 Igel können maximal aufgenommen werden. "Sind es mehr Tiere, reichen die personellen Kapazitäten einfach nicht mehr aus", erklärt Umweltschutzbeauftragter Norbert Wolf (55). Er bittet daher darum, vor der Abgabe von Tieren, im Schneckenhaus anzurufen (siehe Box).

Die beiden Neulinge erhalten zunächst eine Nummer, die an den Käfigen angebracht und in einer Akte verzeichnet wird. Dann wird ein Mittel gegen Flöhe in den Stacheln verteilt, um ein Anstecken der anderen Pflegetiere im Schneckenhaus zu vermeiden. Im nächsten Schritt heißt es dann: ab auf die Waage.

"Das Gewicht eines Igels zeigt uns, ob das Tier unterernährt ist", erklärt Wolf. Bei einem Gewicht von 500 Gramm könnten die Igel bedenkenlos wieder ausgesetzt werden. Doch die beiden Neulinge bringen lediglich 330 und 340 Gramm auf die Waage. "Das ist definitiv zu wenig. Die Igel konnten sich aus noch unklaren Gründen keinen Winterspeck anfuttern und würden die kalte Jahreszeit draußen nicht überleben", weiß der Experte. Ob die Tiere zu spät geboren wurden oder sie von Parasiten geplagt werden und deshalb nicht zulegen, klären weitere Untersuchungen.

Jetzt steht für beide erstmal ein Festmahl an: gebratenes Hackfleisch, Katzenfutter, Haferflocken, Rührei und reifes Obst wie Äpfel oder Birnen sollen die untergewichtigen Tiere aufpeppeln. Untergebracht werden die Igel in Boxen. Schnipsel aus Zeitungspapier erinnern an das Laub draußen und werden sofort zum Nestbau genutzt. Mollig warm eingekuschelt und gut versorgt, finden die Pflegetiere im Schneckenhaus in den Winterschlaf. Dafür wird die Raumtemperatur schrittweise runtergekühlt. "Fehlt der Winterschlaf, kann das beispielsweise die Hormonschübe im Frühjahr beeinträchtigen. Der Igel pflanzt sich unter Umständen nicht fort", erklärt Wolf.

Nach einer Aufwachphase und erneuter Kontrolle sollen die Igel im Frühling wieder ausgesetzt werden.

(NGZ/ac)