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Karate-Lehrer rettet Kontrolleur in RB38

Grevenbroicher beweist Zivilcourage : Karate-Lehrer schützt Kontrolleur vor Randalierer

Karate-Lehrer Sascha de Vries hat eine Schlägerei geschlichtet, die ein Schwarzfahrer in einer Regionalbahn in Grevenbroich angezettelt hatte.

Normalerweise absolviert Sascha de Vries längere Strecken mit seinem Auto. Freitagvormittag aber nahm der Gustorfer die Regionalbahn Richtung Düsseldorfer Flughafen. Kaum in den Zug eingestiegen, avancierte er ungewollt zum Held des Tages: Als ein Schwarzfahrer eine Schlägerei mit einem Kontrolleur anzettelte, ging er mutig dazwischen.

„Ich konnte den Mann mit einer Kampfsporttechnik ablegen“, beschreibt der 42-Jährige – der seit knapp 30 Jahren Karate macht und beruflich zwölf Jahre bei der Militärpolizei tätig war, ehe er seine eigene Kampfsportschule eröffnete. Die brenzlige Situation hatte sich schon kurz nach dem Einstieg in Grevenbroich ergeben, „Ich hatte mich kaum auf einen der Plätze gesetzt, als neben mir ein Kontrolleur um die Fahrscheine bat“, beschreibt er. Jedermann zückte sein Ticket, nur ein 26-Jähriger nicht. Auf Nachfrage des Schaffners versuchte er sich herauszureden, „behauptete, alle Papiere verloren zu haben, Fahrschein inklusive“, erinnert sich Sascha de Vries. „Der Mann wurde schnell aggressiv“, und ging den Schaffner, einen etwa 60-jährigen Mann, in „ziemlich ruppigem Ton“ an. „Das gab ein Riesenpalaver“, beschreibt de Vries. Obwohl der Schaffner sogar anbot, der Schwarzfahrer könne an der nächsten Station aussteigen, ohne dass seine Personalien aufgenommen würden, was üblicherweise zur Erhebung des Bußgeldes getan wird, wollte der junge Manne sich nicht beruhigen, „wurde unflätig und ausfallend – der Kontrolleur war sichtbar von den Drohgebärden geschockt – und der Rest der Fahrgäste saß ebenso staunend wie stumm daneben.

Vollends aus dem Ruder lief das Geschehen, als der junge Mann anfing, den Kontrolleur anzurempeln. In dem Gerangel gingen beide zu Boden „Der Typ war locker einen Kopf größer als ich“, was den 1,76 Meter großen de Vries nicht davon abhielt, sich entschlossen ins Gerangel zu stürzen. „Kontrolliert und mit geübten Griffen, da spule ich nur mein Programm ab“, gelang es ihm, den Schaffner aus der Gefahrenzone zu holen und den Schwarzfahrer außer Gefecht zu setzen. Sascha de Vries alarmierte per Handy die Polizei. Die Beamten rückten in Neuss an Gleis 2, wo der Zug planmäßig stoppte, an und stellten die Personalien des Mannes fest. Nun ermittelt die Polizei wegen des Verdachts der Körperverletzung gegen den 26 Jahre alten Grevenbroicher.

„Klar hatte ich Angst“, resümiert der mutige Gustorfer, der sich bei seinem Einsatz Rippenprellungen zuzog. „Aber wenn es dann letztlich so glimpflich endet, wie in diesem Fall, bin ich froh, helfen zu können.“ Zu Zeiten als er „voll im Training“ war, dabei zwei Weltmeistertitel in Sportkarate errang und ihm die Welt-Fairnesmedaille verliehen wurde, war er weniger ängstlich. „Inzwischen habe ich vier Kinder, die mich brauchen.“ Erschreckt hat ihn in der Regionalbahn, „dass alle anderen weggeguckt haben und keiner etwas getan hat. Offensichtlich fühlte sich keiner verantwortlich“, lautet sein trauriges Fazit. Ob stärkere Sicherheitsmaßnahmen in Zügen notwendig sind, weiß er nicht. „Aber offensichtlich sollten Kontrolleure mindestens zu zweit eingesetzt werden“, lautet sein Vorschlag.