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Grevenbroich: Kapellen: Wohnkonzept geht noch nicht ganz auf

Grevenbroich : Kapellen: Wohnkonzept geht noch nicht ganz auf

Die Bauarbeiten am Kerbelweg im neuen Kapellener Wohnquartier sind abgeschlossen. Junge und alte Menschen sollten am Kerbelweg gemeinsam leben. In die acht Wohnungen an der Kita zogen jedoch vor allem Berufstätige.

Sowohl die Kita als auch die acht barrierefreien Wohnungen sowie zwei Praxisräume, die eine Einheit bilden, wurden jetzt offiziell in Betrieb genommen. Die Idee, die hinter dem Bauprojekt der evangelischen Kirche steckte, war das Zusammenleben von jungen und alten Menschen. Doch dieses Konzept ist bislang nicht aufgegangen.

Laut Pfarrer Hans Hermann Moll von der evangelischen Kirchengemeinde Wevelinghoven sind zwar alle acht Wohnungen neben der Kindertagesstätte vermietet, jedoch zu einem Großteil nicht an Senioren, für die diese eigentlich vorgesehen waren. "Das Angebot zog nicht richtig", berichtet Moll. Ein Leerstand wollte die Gemeinde allerdings verhindern, weshalb andere Interessenten unterschiedlichen Alters den Zuschlag für die jeweils rund 60 Quadratmeter großen Wohnungen erhalten haben.

In seiner Ansprache zur Eröffnung (in das "Doppelprojekt" flossen seitens der Kirche 3,6 Millionen Euro) sprach Moll aber keineswegs von einem verfehlten Ziel: Die nun fertigen Wohnungen und die Kita mit 74 Plätzen sollten "zu einem Segen für den inzwischen dicht bebauten Stadtteil" werden. Bei den von Architekt Markus Schmale begleiteten Planungen für die Wohnungen und die Kita, für die der Startschuss 2010 gefallen war, zogen alle Beteiligten - neben der Kirche auch die Stadt sowie der Landschaftsverband Rheinland - an einem Strang und begleiteten das Projekt durch Höhen und Tiefen.

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Laut Jugenddezernent Michael Heesch galt es, bei laufenden Planungen Veränderungen zu berücksichtigen: "Bis vor einigen Jahren war der Demografische Wandel noch ein Fremdwort." Außerdem habe man anfangs nicht berücksichtigt, dass auch Eltern von Kindern unter drei Jahren einen Anspruch auf einen Kitaplatz bekommen würden. Tatsächlich sind die Plätze in der Kita mit vier Gruppen und großem Außengelände stark gefragt. "Wir können gar nicht so viele Kinder aufnehmen, wie wir Anfragen erhalten", berichtet Erzieherin Stefanie Nolden, die dort mit ihren Kollegen seit August 2014 arbeitet. "Wir sind gut in Kapellen angekommen." Die neue Einrichtung, deren Förderverein anlässlich der Eröffnung einen Fahrrad- und Kindertrödel veranstaltete, ersetzt die ehemalige evangelische Kita in Wevelinghoven, die aus lediglich einer Gruppe bestand.

Die späte offizielle Eröffnung begründen die Verantwortlichen auch damit, dass die Bauarbeiten an den benachbarten Wohnungen erst kürzlich abgeschlossen werden konnten. Außerdem zogen die letzten Mieter erst Anfang des Jahres ein - darunter doch noch ein älteres Ehepaar, das barrierefrei wohnen möchte: Irmgard (71) und Herbert Becherer (72), der im Alltag auf einen Rollstuhl angewiesen ist. Ihr Sohn Jochen arbeitet als Presbyter in Kapellen und hatte ihnen die Wohnung vermittelt. "Mit der Nachbarschaft zur Tagesstätte kommen wir gut zurecht. Es ist schön, die Kinder beim Spielen zu sehen", sagt Irmgard Becherer.

(cka)