Grevenbroich: Kapellen: Baufirma wehrt sich

Grevenbroich : Kapellen: Baufirma wehrt sich

Die Firma Tholen steht im Verdacht, in Kapellen Baustoffe mit Schwermetallen verwendet zu haben – ebenso wie in Dormagen und Schwalmtal. Sie weist die Vorwürfe zurück. Am Dienstag wird das Areal am Weizenfeld geräumt.

Die Firma Tholen steht im Verdacht, in Kapellen Baustoffe mit Schwermetallen verwendet zu haben — ebenso wie in Dormagen und Schwalmtal. Sie weist die Vorwürfe zurück. Am Dienstag wird das Areal am Weizenfeld geräumt.

Für Straßen in der Rösler-Siedlung in Schwalmtal (Foto oben) soll ebenso verunreinigtes Baumaterial verwendet worden sein wie in Kapellen. Foto: Michael, Reuter

Die Firma Tholen aus Geilenkirchen hat sich jetzt erstmals zum Umweltskandal in Kapellen geäußert — und alle Vorwürfe deutlich zurückgewiesen. "Die bisher von dem Auftraggeber (Stadt Grevenbroich) aufgestellten Behauptungen, das Bettungsmaterial sei hoch belastet, müssen entschieden zurückgewiesen werden", heißt es in einem Schreiben des Unternehmens. Die aufgestellten Behauptungen seien aus "einer Hysterie eines Mitarbeiters des Auftraggebers" entstanden".

Im Neubaugebiet Kapellen soll die Firma Tholen mit Schwermetallen belastetes Material für den Straßenbau verwendet haben — aber nicht nur dort. Auch im Dormagener Baugebiet "Am Gansdahl" sollen 20 Meter an der Landstraße 280/Von-Stauffenberg-Straße mit verunreinigtem Material verlegt worden sein. Noch größere Schaden droht in der Rösler-Siedlung in Schwalmtal. Dort wurden 2009 und 2010 Straßen und Kanäle saniert — auf einer Fläche von 6000 Quadratmetern, die Firma Tholen hatte dafür das Bettungsmaterial geliefert. Erste Proben wurden dort bereits gezogen; noch liegen nicht alle Ergebnisse vor.

Für Schwalmtal hat die Firma aus Geilenkirchen eigene Gutachter bestellt. Ergebnis: "Es liegen von uns und von anderen Auftraggebern andere Untersuchungen des Materials vor, die genau das Gegenteil beweisen." Letztendlich werde man die gerichtliche Untersuchung "abwarten müssen". Für den Fall, "dass das Bettungsmaterial unzulässige Bestandteile enthält, hat der Lieferant die Verantwortung hierfür zu übernehmen".

Bei der Stadt Grevenbroich wollte Planungsdezernent Werner Hoff-mman gestern keine Stellungnahme abgeben. Er ließ auf den Projektentwickler DSK als Auftraggeber verweisen.

Dabei war es der städtische Fachdienstleiter Bourzo Dehkordi gewesen, dem im November 2011 das belastete Material aufgefallen war. Eine chemische Analyse zeigte, dass es hohe Werte an Blei, Kupfer und Zink enthielt. Weitere 18 Untersuchungen folgten — gefunden wurde der verunreinigte Baustoff unter dem Pflaster des Melissen-, Mistel- und Malvenweges sowie des Apothekerpfädchens und der Straße "Im Weizenfeld". Die Konsequenz: Etwa 8200 Quadratmeter Pflastersteine müssen in "Neu-Kapellen" wieder entfernt werden; die DSK hat bereits Regressforderungen an das Unternehmen gestellt. Auch die Polizei ermittelt wegen eines Umweltdelikts.

Am kommenden Dienstag soll — sofern das Wetter es zulässt — die auf zwei Tage angesetzte Räumung am Weizenfeld 27-41 beginnen. Dieses Grundstück hatte die Firma Tholen für die Einrichtung der Baustelle genutzt. Anschließend soll der Boden untersucht werden. Bereits während der Räumung werden Luftmessungen vorgenommen.

(NGZ/ac)
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