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Kann Carsharing in Grevenbroich erfolgreich werden?

Autos teilen in Grevenbroich : Berater: Carsharing lohnt sich in Deutschland nur selten

Carsharing“ muss dringend von Mythen befreit werden. Mit diesem Hinweis meldet sich Wulf Stolle zu Wort. Der Verkehrsexperte ist Partner der Unternehmensberatung A.T. Kearney, die den deutschen Carsharing-Markt im Rahmen einer eigenen Studie untersucht hat. Dabei kommen die Berater zu dem Schluss, dass nur jeder 20. Einwohner als Nutzer für ein Carsharing-Angebot überhaupt in Frage kommt.

Mehr noch: Nur in elf deutschen Großstädten gebe es das Marktpotential, um Carsharing wirtschaftlich betreiben zu können. Bereits am Rand großer Ballungszonen – wie etwa in Grevenbroich – kämen nicht erforderlichen Mindestnutzerzahlen zustande, so Stolle. Gerade einmal ein Prozent der Carsharing-Mitglieder nutzen das Angebot täglich, ein Drittel ein bis zwei Mal im Monat.

Zudem müsse sich die Politik ehrlich machen. Wer Carsharing nutze, schaffe deshalb nicht seinen eigenes Auto ab, sondern ersetze damit Fahrten, die man ansonsten mit Bus oder Bahn erledigt hätte. „Dass wir das eigene Auto im Straßenverkehr langfristig durch Sharing-Angebote ersetzen, zeichnet sich also derzeit nicht ab“, kommentiert Stolle die Ergebnisse.

Zu den Erfolgsfakoren für ein funktionierendes Carsharing gehöre eine enge Zusammenarbeit von Anbietern mit den jeweiligen Städten. Außerdem müsse Carsharing in den Öffentlichen Personennahverkehr integriert werden, anstatt mit ihm zu konkurrieren. Für Autohersteller oder -händler lohne wird sich ein Sharing-Dienst dann, wenn sie die positiven Nebeneffekte nutzen könnten. Dazu gehören der Ausbau von Markenimage und Kundenbeziehung, gerade bei einer jüngeren Zielgruppe. Nach dem Ende des Carsharing-Angebotes in Grevenbroich will sich die Stadt um ein erneutes Angebot bemühen. So hat es Stadtsprecher Stephan Renner gegenüber unserer Redaktion gesagt.

(dne)